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Russland bestreitet Vorwürfe

Neue Details: Russland und Katar sollen Weltmeisterschaften gekauft haben

Logo der Fußball-WM in Katar 2022
© dpa, Mosa'ab Elshamy, hpl

07. April 2020 - 15:59 Uhr

Erweiterte Anklage gegen Russland und Katar

Russland und Katar sollen, um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 austragen zu können, führende Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA bestochen haben. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Strafverfolgungsbehörden in einer erweiterten Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft New York nennt erstmals Details. "Einigen Mitgliedern des Exekutivkomitees wurden Bestechungsgelder angeboten oder sie haben sie angenommen", heißt es unter dem besonders brisanten Punkt 92 der 70-seitigen Anklage. Russland bestreitet die Vorwürfe.

Millionen an Bestechungsgeldern

Demnach sollen die damaligen FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder Julio Grondona (Argentinien/verstorben 2014), Nicolas Leoz (Paraguay/verstorben 2019) und Ricardo Teixeira (Brasilien) für ihre Stimmen zugunsten Katars nicht näher bekannte Summen erhalten haben.

Der frühere FIFA-Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago) soll für seine Stimme pro Russland über ein Geflecht von Scheinfirmen fünf Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) erhalten haben. Rafael Salguero aus Guatemala, ebenfalls bei der Doppelvergabe 2010 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, habe für seine Stimme eine Million Dollar (920.000 Millionen Euro) kassiert, heißt es unter Punkt 92 des Dokuments vom 18. März.

Auch Mediengiganten vor Gericht

Das Dokument wirft auch auf die Medienbranche kein gutes Licht. In der Anklage wird unter anderem zwei ehemaligen Spitzenkräften des amerikanischen Medienkonzerns Fox vorgeworfen, Funktionäre bestochen zu haben. Hernan Lopez, früherer Geschäftsführer der Fox-Sparte International Channels, und der ehemalige Lateinamerika-Chef Carlos Martinez sollen sich durch Insider-Informationen englischsprachige TV-Rechte für die Weltmeisterschaften gesichert haben. Beide bestreiten die Vorwürfe: Die Anklage sei "Fiktion", teilte ein Anwalt mit.

Länder weisen jede Schuld von sich

Russland und Katar haben jegliche Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe stets bestritten. Auch im Lichte neuer Anschuldigungen aus den USA bleibt Russland dabei: "Russland hat das Recht, diese WM-Endrunde zu organisieren, auf legalem Wege erhalten", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. "Das war nicht mit irgendeiner Art von Bestechung verbunden. Den Vorwurf streiten wir kategorisch ab."

Eine FIFA-interne Untersuchung von Chefermittler Michael J. Garcia kam 2017 zudem zu dem Schluss, es gebe für Stimmenkauf keine Hinweise. Bestechungen bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika sind erwiesen. Auch im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 an Deutschland soll es zu Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro gekommen sein.