Kriegsverbrechen im Irak?

US-Elitesoldat soll ein Schulmädchen erschossen haben

US-Marine soll ein Schulmädchen getötet haben.
US-Marine soll ein Schulmädchen getötet haben.
© Facebook/Free Eddie Gallagher - Navy SEAL Chief

25. April 2019 - 11:58 Uhr

Edward "Eddie" Gallagher war ein Vorbild für viele Kameraden

Edward "Eddie" Gallagher gehörte zu den besten Kämpfern der US-Eliteeinheit Seals. Er war in Afghanistan und im Irak im Einsatz. Er bildete Soldaten aus, war Scharfschütze, Sanitäter und Bombenspezialist. Doch jetzt wird ihm vor einem US-Gericht der Prozess gemacht. Der Vorzeigesoldat soll grausame Kriegsverbrechen begangen haben.

Gallagher soll Zivilisten erschossen und erstochen haben

Wie Augenzeugen berichten, soll Gallagher im irakischen Mossul Zivilisten auf grausame Weise erschossen und einen Kriegsgefangenen mit einem Messer erstochen haben. Das geht aus einem internen 439 Seiten langen Untersuchungsbericht der US-Marine hervor, der der "New York Times" vorliegt. Dort werden die schrecklichen Verbrechen des hochdekorierten Elitesoldaten detailliert geschildert. 

So soll Gallagher 2017 mit einem Scharfschützengewehr ein Schulmädchen am Ufer des Tigris erschossen haben. Außerdem tötete er aus der Ferne angeblich einen alten Mann, der an einem Brunnen nur Wasser holen wollten. In einem Gefangenenlager soll der "Kriegsheld" einen wehrlosen 15 Jahre alten IS-Kämpfer mit einem Messer in den Hals getötet haben. Und wenn die Waffen der anderen Soldaten nach einem Feuergefecht ruhten, soll Gallagher immer weiter geschossen haben. 

Nach seiner Rückkehr in die USA wurde er für seine Verdienste im Krieg mit einem Orden belohnt.

"Hören Sie auf, darüber zu reden" - US-Militärs wollten den Fall vertuschen

Die "New York Times" bezeichnet es als ein Wunder, dass das Thema überhaupt vor ein Gericht kam. Anscheinend wollten einige hochrangige US-Militärs Gallaghers Kriegsverbrechen vertuschen, um wohl dem Ansehen der besten Militäreinheit der USA nicht zu schaden. Dass der Fall letztendlich doch publik wurde, sei laut dem Bericht der Hartnäckigkeit einiger Navy Seals zu verdanken, die mit ihm im Irak gedient haben.

Mehrfach hätten sich die Soldaten zuständige Offiziere gewandt, aber nichts sei passiert. Ihnen soll sogar geraten worden sein, die Sache ruhen zu lassen, um die eigene Karriere nicht zu gefährden. "Hören Sie auf, darüber zu reden", soll ein Truppenführer gesagt haben. Als Gallagher davon erfuhr, soll er seine Kammeraden als "Verräter" beschimpft haben.

Erst als die "mittlerweile frustrierten Männer" einer anderen Dienststelle von den Vorfällen im Irak berichteten, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Gallagher wurde daraufhin festgenommen. Seit Mai 2018 sitzt er in Untersuchungshaft. Im November wurde er wegen vorsätzlichen Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt. 

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Donald Trump setzt sich für Gallagher ein

Viele, die Gallagher trotz der Vorwürfe für einen Kriegshelden halten, gehen seit Monaten auf die Barrikaden. In Sozialen Medien kämpfen Angehörigen, US-Soldaten und konservative Politiker für seine Freilassung. Für sie sei es undenkbar, dass ein Mitglied der Navy Seals derart schreckliche Kriegsverbrechen begehen könnte, schreibt die Zeitung. Bei der ganzen Sache handle es sich um eine "Verschwörung unzufriedener Männer", die sich an ihm rächen wollen. Sie verkaufen sogar T-Shirts mit der Aufschrift "Free Eddie".

Im Internet werden T-Shirt mit der Aufschrift "Free Eddie" verkauft.
Im Internet werden T-Shirt mit der Aufschrift "Free Eddie" verkauft.
© Facebook/Free Eddie Gallagher - Navy SEAL Chief

Im März haben rund 40 republikanische Mitglieder des US-Kongresses einen Brief veröffentlicht, in dem die Freilassung Gallaghers gefordert wird. Auch US-Präsident Donald Trump setzte sich für den US-Soldaten ein. Über Twitter teilte er mit, dass er ihm die Haftbedingungen erleichtert habe.