US-Drohnenkrieg in Pakistan: 'Body-Count' von 400 Zivilisten

US-Drohne im Einsatz (Archivbild)
US-Drohne im Einsatz (Archivbild)
© dpa, Paul Ridgeway

09. April 2014 - 18:16 Uhr

Vereinte Nationen fordern USA zur Offenlegung von Daten auf

Wie bekämpft man Terrorismus? Und wie misst man den Erfolg in diesem Kampf? Zur Zeit des Vietnamkrieges hatten die USA eine Maßeinheit entwickelt, die Auskunft geben sollte über ihre Fortschritte im Kampf gegen die Vietcong: Tote zählen, der sogenannte Body-Count. Je mehr tote Feinde, desto größer der Erfolg.

Misst man den Fortschritt der USA im Kampf gegen den islamistischen Terror auf diese Art, muss man wohl sagen, dass der Anti-Terror-Krieg in Pakistan gut voranschreitet: 2.200 Tote in zehn Jahren ohne eigene Verluste, denn die Erfolge wurden durch Drohnen erzielt.

Allerdings sind auch Drohnen nicht immun gegen Fehler. Unter den 2.200 Toten befinden sich laut pakistanischer Regierung mindestens 400 Zivilisten. Zudem seien 200 weitere Opfer "wahrscheinlich Nichtkombattanten" gewesen, sagte der UN-Sonderberichterstatter zum Schutz von Menschenrechten im Rahmen der Terrorbekämpfung, Ben Emmerson.

Er berief sich dabei auf Angaben des pakistanischen Außenministeriums, dem zufolge es seit 2004 mindestens 330 Angriffe mit ferngesteuerten unbemannten Flugobjekten in den weitgehend gesetzlosen Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan gegeben habe. Neben den Getöteten wurden nicht weniger als 600 Menschen ernsthaft verletzt worden. Die Drohnenangriffe auf die pakistanischen Grenzgebiete sind Teil des Krieges in Afghanistan. Denn dorthin ziehen sich die radikalen Gotteskrieger zurück.

Emmerson forderte die USA auf, ihre bislang streng geheim gehaltenen Daten zu zivilen Opfern durch Drohnenangriffe öffentlich zu machen. Die Einbindung des Geheimdienstes CIA in die Kriegsführung mit unbemannten Flugzeugen sei ein "unüberbrückbares Hindernis für die Transparenz", teilte Emmerson in einem Bericht für die UN-Vollversammlung mit. Dies mache es unmöglich, die Zahl der zivilen Opfer in Pakistan, Somalia, dem Irak und dem Jemen abzuschätzen. "Der Sonderbeauftragte will nicht hinnehmen, dass Erwägungen der nationalen Sicherheit es erlauben, Daten dieser Art zurückzuhalten", schrieb Emmerson in seinem Bericht.