US-Amerikanerin Amanda Knox in neuem Mordprozess verurteilt

Raffaele Sollecito auf dem Weg ins Gericht in Florenz.
Raffaele Sollecito auf dem Weg ins Gericht in Florenz.
© dpa, Maurizio Degl'innocenti

30. Januar 2014 - 22:23 Uhr

Gerichts-Marathon wohl noch nicht zu Ende

Amanda Knox ist im neuen Prozess um den Mord an der Britin Meredith Kercher zu 28 Jahren Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Florenz sprach die US-Amerikanerin und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito in zweiter Instanz schuldig. Sollecito bekam 25 Jahre.

Beendet sein dürfte der juristische Marathon damit noch nicht. In dem wahrscheinlichen Fall, dass eine der beiden Seiten Berufung einlegt, muss dafür das höchste italienische Gericht ein weiteres Mal in dem Fall entscheiden. Die 26 Jahre alte Knox war nicht anwesend und verfolgte den Prozess mit ihrer Mutter in ihrer Heimatstadt Seattle. Die US-Bürgerin müsste bei einer endgültigen Verurteilung ausgeliefert werden. Experten zufolge würde Italien dies aber voraussichtlich erst beantragen, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

Eine knappe Stunde hatte die Anhörung gedauert, in der Knox' Verteidiger das letzte Wort hatten. "Wir sind heute felsenfest von Amandas Unschuld überzeugt und das erlaubt es uns, der Anklage mit Gelassenheit zu begegnen", sagte Anwalt Carlo Dalla Vedova. Es sei nicht möglich, jemanden zu verurteilen, weil er "möglicherweise schuldig" sei. Verteidiger Luciano Ghirga forderte, Knox müsse aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Sie sei angesichts der nahenden Entscheidung "sehr aufgewühlt".

Es war bereits der dritte Prozess gegen Knox und den Italiener Sollecito. Seit September müssen sie sich erneut für den Mord an der Britin Meredith Kercher verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, die damals 21 Jahre alte Studentin im November 2007 in Perugia brutal ermordet zu haben. Kerchers Leiche war halbnackt und mit etlichen Messerstichen in ihrem WG-Zimmer gefunden worden. Knox und Sollecito wurden 2009 in erster Instanz in einem Indizienprozess verurteilt und 2011 freigesprochen. Knox kehrte in die USA zurück.

Kerchers Geschwister wollen abschließen

Für die Tat verurteilt wurde bislang nur der Ivorer Rudy Guede, der wegen Beihilfe zum Mord 16 Jahre Haft bekam. Bei seinem Schuldspruch betonten die Richter jedoch ausdrücklich, er könne nicht alleine gehandelt haben. Kerchers damalige Mitbewohnerin Knox sowie Sollecito waren von Beginn an die Hauptverdächtigen in dem Fall.

Beide bestreiten ihre Schuld, während der Staatsanwalt Haftstrafen von 26 Jahren für Sollecito und 30 Jahren für Knox gefordert hatte. Seiner Meinung nach ermordeten Knox und Sollecito die Studentin wegen eines eskalierten Streits um die Sauberkeit im Haus. Beide hätten unter Drogen und Alkoholeinfluss gestanden, argumentierte er.

Zur Verlesung des Urteils wurden auch zwei der Geschwister des Opfers im Gerichtssaal erwartet. "Wir wollen, dass der Prozess und das Geschwätz heute enden, damit wir uns nur auf unseren Schmerz und die Erinnerung an Meredith konzentrieren können", sagte die Schwester Stephanie Kercher dem 'Corriere della Sera'.