Angeklagte bekommen Jugendstrafen

Urteilsverkündung im Köthen-Prozess: Bruder des Opfers schrie vor Wut

© dpa, Hendrik Schmidt, hsc gfh

17. Mai 2019 - 18:21 Uhr

Angeklagte zu Jugendstrafen verurteilt

Als das Urteil fiel, gab es Schreie im Gerichtssaal, ein Tisch wurde umgeworfen und die Polizei musste einschreiten. Das Landgericht Dessau-Roßlau verurteilte zwei junge Afghanen nach dem Tod eines herzkranken 22-Jährigen in Köthen zu Jugendstrafen. Die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt erklärte, dass Verhalten der Angeklagten zeuge von fehlender Achtung vor dem menschlichen Leben.

Familie des Toten ist wütend

Das Gericht sprach den jüngeren Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Der 17-Jährige bekam eine Jugendstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Der 19-jährige Mitangeklagte bekam ein Jahr und acht Monate. Bei ihm wurde ein vorangegangener Angriff auf einen Landsmann und ein schon länger zurückliegende Diebstahl einer Flasche Rum miteinbezogen. Der 19-Jährige muss außerdem einen Alkoholentzug machen.

Als die Richterin erklärte, wie schwierig die Beweisaufnahme wegen unterschiedlicher Zeugenaussagen gewesen sei, sprang ein Bruder des Opfers auf und schrie: Er habe doch gesehen, wie auf den 22-Jährigen eingetreten worden sei. Seine Wut über das Strafmaß war so groß, dass der Mann einen schweren Tisch umwarf. Auch die anderen Angehörigen des Toten waren enttäuscht von dem Urteil. Das Strafmaß sei viel zu gering, meinten sie nach der Verhandlung. Mit Gerechtigkeit habe das nichts zu tun.

Was damals passierte - in unserem Video.

22-Jähriger starb an plötzlichem Herztod

Der 22-Jährige hatte einen Streit des 19-Jährigen mit einem Landsmann beobachtet. Die beiden stritten heftig, von wem eine junge Frau schwanger sei. Der 22-Jährige kam dazu und fragte, was los sei. Der ältere Angeklagte versetzte ihm dann einen starken Stoß gegen den Brustkorb. Der Köthener fiel nach hinten um, ohne sich abzustützen. Als er am Boden lag, habe der 17-Jährige ihn von oben "stampfend, aber nicht kraftvoll" auf das Gesicht getreten.

Der 22-Jährige starb an einem plötzlichen Herztod. Nach Aussagen der Sachverständigen war der junge Mann so schwer herzkrank, dass er jederzeit hätte sterben können, erklärte die Richterin weiter. Der psychische und physische Stress des Angriffs hätte aber schließlich dafür gesorgt, dass das Herz versagte. Der Tod sei kein bloßer Unfall gewesen. Vielmehr sei er durch die Körperverletzung der Angeklagten fahrlässig verursacht worden, begründete die Vorsitzende Richterin.

Rechte Szene machte nach der Tat in Köthen mobil

17.05.2019, Sachsen-Anhalt, Dessau-Roßlau: Polizei sichert während der Urteilsverkündung im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Köthen gegen zwei wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Afghanen den Eingang zum Saal im Landgericht in De
Urteil im Köthen-Prozess
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Der Tod des 22-Jährigen im September 2018 hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Erst wenige Tage zuvor war ein der 35-jährige Deutsche Daniel H. bei einem Stadtfest in Chemnitz erstochen worden. In Köthen mobilisierte die rechte Szene noch am Tattag rund 2.500 Menschen zu einem sogenannten "Trauermarsch". In den Folgewochen gab es Demonstrationen rechtsgerichteter Gruppen und auch Gegendemos.