Urteile nach Kölner Silvesternacht: Zwei Männer zu Bewährungsstrafen wegen Diebstahls verurteilt

Das Amtsgericht Köln hat den ersten Angeklagten der Silvesternacht in Köln verurteilt - wegen Diebstahls.
Das Amtsgericht Köln hat den ersten Angeklagten der Silvesternacht in Köln verurteilt - wegen Diebstahls.
© dpa, Oliver Berg

25. Februar 2016 - 14:13 Uhr

Ein Flüchtling identifizierte den Handy-Räuber

Acht Wochen nach der Kölner Silvesternacht sind die ersten Täter verurteilt worden – zu Bewährungsstrafen. Denn es ging nicht um sexuelle Übergriffe, sondern um Diebstahl. Die Angeklagten waren Nordafrikaner. Doch einem Flüchtling wurde auch gedankt.

Ein 23 Jahre alter Marokkaner erhielt für den Diebstahl eines Handys sechs Monate zur Bewährung und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen (100 Euro). In einem zweiten Verfahren wurde ein 22 Jahre alter Tunesier wegen Diebstahls einer Kamera zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch bei seinem 18 Jahre alten Komplizen aus Marokko gab es einen Schuldspruch, doch gilt für ihn noch das Jugendstrafrecht. Er muss sich nun zwei Jahre bewähren. Das Gericht entschied nicht über den Fortgang der Asylverfahren der drei Angeklagten.

In der Silvesternacht war es in Köln massenhaft zu Straftaten gekommen. Entsetzen hatten vor allem die sexuellen Übergriffe auf Frauen ausgelöst. Sie sollen von Männern umzingelt, bedrängt und bestohlen worden sein. Es wurden auch Vergewaltigungen angezeigt.

Auffällig war, dass die beiden Richter den Kontext der Taten unterschiedlich gewichteten. Während Richter Amand Scholl ausdrücklich auf die verstörenden Folgen der Silvesternacht hinwies, betonte im zweiten Verfahren die Richterin Julia Roß mehrfach: "Es ist und bleibt ein einfacher Diebstahl." Dies sei keine gravierende Straftat. Dass sie in der Silvesternacht begangen worden sei, dürfe vor Gericht keine Rolle spielen. Meist wird ein Diebstahl bei Angeklagten, die noch nicht vorbestraft sind, mit einer Geldstrafe geahndet.

Der 23 Jahre alte Marokkaner konnte nur deshalb identifiziert und festgenommen werden, weil ein afghanischer Flüchtling die Tat beobachtete und die bestohlene Frau sofort auf den Dieb hinwies. Florian Storz, der Anwalt des Angeklagten, dankte dem Mann, der als Zeuge erschienen war, persönlich.