Zweijähriger stürzte auf seinem Grundstück in einen Schacht und starb

Urteil nach Julens Tod: Finca-Besitzer muss nicht ins Gefängnis

David Serrano (im Hintergrund links) wurde nach Julens Tod zu einer Bewährungsstrafe und Schadenersatzleistungen verurteilt.
© dpa, Álex Zea, vco

21. Januar 2020 - 19:08 Uhr

Bewährungsstrafe und Schadenersatz nach Julens Tod

"Ich wollte zu keinem Zeitpunkt, dass dem Kind etwas passiert", sagte David Serrano, der nach dem Tod des kleinen Julen in Málaga vor Gericht stand. Der Besitzer der Finca, auf der der Zweijährige am 13. Januar 2019 in ein Bohrloch stürzte und starb, war der Einzige, der nach dem Unglück wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wurde. Er muss nicht ins Gefängnis, entschied das Gericht, sondern verurteilte ihn zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung. Außerdem muss der Finca-Besitzer Schadenersatz leisten.

David Serrano gehörte die Finca, auf der Julen starb

Tod des kleinen Julen: Gerichtstermin
Julens Eltern auf dem Weg zum Gericht. Sie haben sich mit dem Angeklagten auf einen Vergleich geeinigt.
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David Serrano und die Eltern des kleinen Jungen einigten sich auf einen Vergleich, um den bevorstehenden Gerichtsmarathon abzukürzen. In dem Prozess hätten 50 Zeugen vernommen werden sollen. Dazu kam es nun doch nicht, weil die Anwälte des Angeklagten mit der Nebenklage einen Vergleich aushandelten. Das Gericht bestätigte die außergerichtliche Einigung. Damit ist Julens Tod zumindest aus juristischer Sicht aufgearbeitet.

Serrano hatte auf der Suche nach Wasser auf seiner Farm in Totalán (Andalusien) ein unerlaubt tiefes Loch gebohrt. Der rund 110 Meter tiefe und 25 Zentimeter breite Schacht war zudem nicht ausreichend gesichert, sodass der Zweijährige hineinfallen konnte. Der Angeklagte bat die Eltern vor Gericht nun um Entschuldigung.

Für den Schaden kann der Verurteilte kaum aufkommen

Neben der Bewährungsstrafe soll Serrano 89.500 Euro an jedes Elternteil des toten Jungen zahlen. Außerdem soll er die Regionalregierung von Andalusien mit rund 663.000 Euro entschädigen und so für den aufwändigen Rettungseinsatz aufkommen, wie mehrere spanische Medien berichteten. Hunderte Helfer gruben zwei Wochen lang in der Hoffnung, das Kind lebend aus dem Loch holen zu können. Am Ende wurde der Zweijährige tot geborgen – die Autopsie ergab, dass er bereits kurz nach dem Sturz an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben war.

Die hohen Schadensersatzzahlungen wird Serrano, der auch mit Julen verwandt ist, kaum bewältigen können, denn das Geld hat der Finca-Besitzer nicht. Laut der spanischen Zeitung "El Pais" hat er im Moment weder ein Einkommen noch Vermögen. Auch sein Land wurde bereits beschlagnahmt. Doch auch damit kann nur ein kleiner Teil der Forderungen gedeckt werden.

David Serrano soll Geld in Raten abbezahlen

Laut "El Pais" zahlte er einmalig bereits 25.000 Euro an Julens Eltern. Das Geld sei von einem Unternehmer gespendet worden, der anonym bleiben wollte. Den Rest der insgesamt 179.000 Euro wolle Serrano vorerst in monatlichen Raten von 50 Euro abstottern, so die Zeitung. Demnach würde es rund 298 Jahre lang dauern, bis die Eltern die volle Entschädigungssumme erhalten haben. Das Geld, das die andalusischen Behörden von ihm fordern, wäre dann immer noch nicht bezahlt. Er wolle die Raten aber erhöhen, sobald seine finanzielle Situation sich verbessert habe, versprach Serrano laut dem Bericht.

Julens schrecklicher Unfall wäre vermeidbar gewesen, hätte es das illegale Bohrloch nicht gegeben. Doch auch ein Jahr nach dem Unglück sind solche Löcher in Spanien keine Seltenheit. Erst vor wenigen Tagen teilte die Polizei mit, bei Inspektionen innerhalb von fünf Monaten mehr als 1.400 illegale Schächte entdeckt zu haben. Gegen 107 Verdächtige werde ermittelt.