„Ich weiß, ich bin ganz offiziell ein Stalker“

Urteil in Leipzig: Anja S. zündete Autos an, weil ein Mann sie zurückwies

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11. Dezember 2019 - 10:37 Uhr

Prozess in Leipzig: Brandanschläge aus verschmähter Liebe

Zum ersten Mal zündelte Anja S. im Oktober 2015. Weil der Mann, den die liebte, keine Beziehung zu ihr wollte, legte sie Feuer am Auto seiner Freundin. Bis sie im April 2019 erwischt wurde, zündete die 38-Jährige immer wieder Autos von Menschen aus dem Umfeld ihres Angebeteten an. Nun wurde sie vom Landgericht Leipzig zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Phillip S. wollte keine Beziehung zu der Angeklagten

Anja S. wirkte regungslos und nahm während der Verhandlung kaum Anteil, berichtete RTL-Reporterin Josephine Kahnt, die den Prozess beobachtet hat. Nur während ihres Schlusswortes wurde die Angeklagte emotional. Während das Urteil verkündet wurde, wirkte sie beinahe ungläubig und schüttelte immer wieder den Kopf.

Zwei Brandanschläge gestand die Angeklagte, die anderen wurden ihr durch Indizien nachgewiesen. 2015 wurden Phillip S. die Aufmerksamkeiten von Anja S. zu viel, hieß es im Prozess. Darum wollte er keine Beziehung zu ihr.

Psychologin: „Es muss in ihr wahnsinnig toben“

ARCHIV - 07.02.2014, Sachsen, Leipzig: Das Schild am Eingang zum Landgericht Leipzig. (zu dpa «Fortsetzung Prozess wegen Versuchs der schweren Brandstiftung») Foto: Jan Woitas/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Fortsetzung Prozess wegen Versuchs der schweren Brandstiftung
© dpa, Jan Woitas, woi;cse;fux dna

In ihrem Reisetagebuch schreibt die Angeklagte damals: "Ich weiß, ich bin ganz offiziell ein Stalker und eigentlich müsste mir das peinlich sein." Weil sie es offenbar nicht ertragen konnte, dass Phillip S. sie zurückwies, legte sie dann Feuer.

"Eifersucht oder unerwiderte Liebe ist ein brandheißes Gefühl, und das drückt sie ja sozusagen tatsächlich aus, indem sie Feuerchen legt. Es muss in ihr wahnsinnig toben", meint auch Psychologin Claudia Roberts im RTL-Interview.

Seit die Angeklagte in Untersuchungshaft sitzt, gab es keine weiteren Attacken auf Phillip S. und seine Freundin. Die Nebenkläger sind einfach nur froh, dass der Prozess jetzt vorbei ist, erfuhr RTL-Reporterin Josephine Kahnt von ihrem Anwalt. Sie hoffen, dass jetzt endlich Ruhe für sie einkehrt.