Prozessurteil ist gefallen

Mann täuscht Tod in Ostsee vor, um Millionen zu kassieren

10. Februar 2021 - 19:24 Uhr

Im Video: Christoph H. wollte Millionen ergaunern

In einem spektakulären Fall um einen vorgetäuschten Tod in der Ostsee hat das Kieler Landgericht Christoph H. und seine Ehefrau wegen des versuchten Versicherungsbetrugs in einem Fall für schuldig gesprochen. Beide bekommen eine Bewährungsstrafe: Christoph H. wurde zu einem Jahr und neun Monaten verurteil, seine Frau zu einem Jahr. Die Angeklagte realisierte erst nach dem Urteil, dass das bedeutet, das sie nicht ins Gefängnis muss.

Nach Aussage des Richters habe Christoph H. die führende Rolle bei den Planungen eingenommen – und sowohl seine Ehefrau als auch seine Mutter in diese Machenschaften mit hineingezogen.

Der 53-Jährige habe versucht 4,1 Millionen Euro von insgesamt 14 Risiko-Lebens- und Unfallversicherungen zu kassieren. Insgesamt war das Ehepaar in 14 Fällen angeklagt – in den übrigen 13 Fällen wurden die Angeklagten jedoch freigesprochen.

Freispruch in 13 Fällen

Bereits vor diesem entscheidenden Prozesstag war der Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen worden – mangels dringendem Tatverdacht. Die Aussichten auf Freispruch waren daher gut. Wäre Christoph H. in allen 14 Fällen für schuldig erklärt worden, hätten ihm vier Jahre Haft gedroht. Seine Frau hätte zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt werden können. Die Verteidigung hatte auf Freispruch in allen Fällen plädiert: Das Paar wäre bei der Umsetzung des gemeinsamen Tatplans in straflosen Vorbereitungshandlungen stecken geblieben.

Angeklagter sei „wirtschaftlich bedrängt“ gewesen

Strafmildernd sei der Umstand gewesen, dass der Angeklagte nicht vorbestraft sei und aus Verzweiflung diese Tat geplant habe. Er sei "wirtschaftlich bedrängt" gewesen – so der Richter. Christoph H. solle nun anfangen, in seinem Leben zu arbeiten. Bisher soll er von seinen Eltern bzw. seiner Mutter finanziell unterstützt worden sein. Laut Richter, habe er durchaus die intellektuellen Fähigkeiten auf eigenen Beinen zu stehen – die Frage sei nur, ob er auch die charakterlichen Stärke dazu hat.

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Vorgetäuschtes Bootsunglück

Um seine miserable Finanzlage zu beenden, soll der 53-Jährige seinen vermeintlichen Tod durch ein Motorbootunglück Anfang Oktober 2019 vorgetäuscht haben. Anschließend habe er sich in dem Haus seiner Mutter in Schwarmstedt (Niedersachsen) versteckt.

Die Ehefrau erstattete drei Tage später Vermisstenanzeige. Doch es kam anders als vermutlich geplant: Ein Gutachter stellte Manipulationen an dem Boot fest und die Versicherung wollte das Geld erst mit einer vorgelegten Sterbeurkunde auszahlen – was eine Zeitverzögerung von etlichen Monaten bedeutete.

Die Polizei wurde misstrauisch und durchsuchte die Wohnung der Mutter. Dort wurde Christoph H. Anfang 2020 auf dem Dachboden entdeckt und kam in Untersuchungshaft.

Das Verfahren gegen die mitangeklagte 87-jährige Mutter wurde abgetrennt.


Quelle: DPA / RTL.de