Jonathan (✝4) starb durch Stromschlag in Supermarkt

Marktleiter zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

24. Januar 2019 - 15:13 Uhr

Bewährungsstrafe nach Tod eines 4-Jährigen in Hamburger Supermarkt

Das Amtsgericht Hamburg-Harburg hat heute zwei angeklagte Supermarktleiter wegen fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der vierjährige Jonathan war im Mai 2016 mit seinem Vater in dem Supermarkt in Hamburg-Harburg einkaufen. Als er ein Geländer berührte, bekam er einen Stromschlag. Einen Tag später starb der kleine Jonathan. Die Staatsanwaltschaft warf den Supermarktbetreibern vor, ein Elektro-Trafo schlampig installiert zu haben. Die Verteidigung forderte einen Freispruch.

Supermarktbetreiber zeigen vor Gericht keine Reue

Jonathan (4) war ein fröhlicher und rundum gesunder Junge.
Jonathan (4) war ein fröhlicher und rundum gesunder Junge.
© Privat

Bevor das Gericht das Urteil verkündete, konnten die beiden Angeklagten ein letztes Wort an die Eltern oder die Vorsitzenden richten. Diese Möglichkeit wollten der 44-jährige Marktleiter und seine 48-jährige Schwester allerdings nicht nutzen. Schon während des gesamten Prozesses warf der Anwalt der Eltern den Angeklagten vor, sie würden keine Reue zeigen. Bis heute hatten sie keine entschuldigenden Worte an die Eltern von Jonathan gerichtet.

Vater nahm Urteil regungslos entgegen

Der Anwalt der Eltern forderte zwei Jahre Haft für die Marktleiter. Sie hätten auch als Laien erkennen müssen, dass die Elektrik an der Kasse nicht ordnungsgemäß installiert worden sei. Auch die Richterin sagte heute, dass das Metallregal zweifellos unter Spannung stand und es keinen Schutzleiter am Trafo gegeben hätte.

"Wären Sie (die Angeklagten) Ihrer Pflicht nachgekommen, wäre der Tod von Jonathan mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert worden", so die Richterin. Sie verurteilte die Marktleiter zu zehn Monaten Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung. Der Vater nahm das Urteil im Gerichtssaal regungslos zur Kenntnis. Die Mutter war nicht mit zur Urteilsverkündung gekommen, weil der Prozess sie zu stark psychisch belaste. "Kein Urteil kann den Schmerz der Eltern lindern", sagte die Richterin.