Urteil in Frankfurt: Nur die Cousine des Opfers muss nach tödlicher Teufelsaustreibung ins Gefängnis

23. Februar 2017 - 14:08 Uhr

Die anderen Angeklagten kommen auf Bewährung frei

Eine Frau musste sterben, weil ihre Familie glaubte, sie sei vom Teufel besessen. Nun wurde die Hauptangeklagte, die Cousine des Opfers, zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Frankfurt erklärte die 44-Jährige, die wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt war, für schuldig. Vier weitere mitangeklagte Familienmitglieder kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Die fünf Angeklagten – darunter auch der damals 15 jährige Sohn des Opfers – hatten ihre 41-jährige Verwandte im Dezember 2015 in einem Frankfurter Hotel zu Tode gequält. Die Frau wurde ans Bett gefesselt und über Stunden hinweg geschlagen. Um ihre Schreie zu unterdrücken, stopften sie ihr ein Handtuch und einen Kleiderbügel in den Mund.

Die Familie wollte offenbar eine Teufelsaustreibung vornehmen, weil die Frau plötzlich Selbstgespräche geführt habe und um sich geschlagen haben soll. Die Angehörigen glaubten, dass sie von einem Dämon besessen sei. Doch die Exorzismus-Rituale endeten tödlich. Die Familie stammt aus Südkorea und war erst wenige Wochen in Frankfurt, bevor sie die Teufelsaustreibung durchführte.

Die 41-Jährige erstickte qualvoll

Die 41-Jährige starb durch Gewalteinwirkung auf den Brustkorb und den Hals. Sie erstickte qualvoll. Nun mussten sich der Sohn der Toten, sein gleichaltriger Cousin, die Cousine des Opfers und deren Sohn und Tochter vor Gericht wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft ging zum Schluss aber nicht mehr von Mord, sondern von Körperverletzung mit Todesfolge aus.

Das Urteil in dem Exorzismus-Prozess fiel geringer aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Die hatte auf acht Jahre Haft für die Hauptangeklagte plädiert. Auch ihre 22 und 19 Jahre alten Kinder waren laut Psychiatern voll schuldfähig. Das Gericht entschied nun, dass die jüngeren Familienmitglieder nicht ins Gefängnis müssen. Sie wurden zu Bewährungsstrafen zwischen anderthalb und zwei Jahren verurteilt.