Urteil im Kandel-Prozess: 8,5 Jahre für Mias Mörder Abdul D. - er akzeptiert das Urteil

03. September 2018 - 15:30 Uhr

Mia musste in einem Drogeriemarkt sterben – die Messerattacke sorgte deutschlandweit für Aufsehen

Im Prozess von Kandel um die Messerattacke auf die 15-jährige Mia im Dezember 2017 ist der Angeklagte Abdul D. nach Jugendstrafrecht zu 8 Jahren und 6 Monaten Haft wegen Mordes und Körperverletzung verurteilt worden. Damit blieb das Gericht unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, welche 10 Jahre gefordert hatte - die Höchststrafe. Eine Begründung für das Urteil steht noch aus. Der Fall sorgte deutschlandweit für Aufsehen, weil der Verurteilte als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war. Das Motiv für die Tat war wohl Eifersucht.

Das Opfer hatte Abdul D. kurz vor der Tat noch bei der Polizei angezeigt

Auf die schreckliche Tat von Kandel folgte große Anteilnahme.
Auf die schreckliche Tat von Kandel folgte große Anteilnahme - doch auch rechte Gruppen nutzten den Vorfall für ihre Zwecke
© dpa, Andreas Arnold, arn exa sis fie rho

Das Landgericht Landau sah es als erwiesen an, dass Abdul D. seine 15-jährige Ex-Freundin Mia kurz nach Weihnachten 2017 heimtückisch mit mehreren Messerstichen in einem Drogeriemarkt in Kandel tötete. Das Mädchen hatte sich kurz vor der Tat von Abdul getrennt, was vermutlich der Auslöser für die schreckliche Tat war. Im Voraus hatte die Jugendliche bereits Anzeige wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung gegen den jungen Mann gestellt. Die Polizei sprach daraufhin sogar noch mit Abdul D. – und das wenige Stunden vor der Tat. Trotzdem musste Mia sterben.

Pflichtverteidiger Maximilian Endler sagte nach der Entscheidung des Gerichts: "Mein Mandant verzichtet auf Rechtsmittel und ist mit dem Strafmaß einverstanden". Das Urteil sei "angemessen". Er rechne damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde, sagte Endler. In seinem letzten Wort habe Abdul D. noch einmal Reue bekundet. Bereits während des Prozesses betonte der Anwalt schon, sein Mandant bereue die Tat sehr. Er sei in einer schlechten Verfassung, habe im Gefängnis unter anderem Morddrohungen erhalten.

Alter von Abdul D. nicht abschließend geklärt

Der gesamte Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da nicht sicher geklärt werden konnte, ob der Angeklagte noch minderjährig oder bereits volljährig ist. Er hatte bei der Einreise nach Deutschland angegeben, 15 Jahre alt zu sein. Eine Untersuchung von Abdul D. ergab jedoch zwischenzeitlich, dass er mindestens 17,5 Jahre, wahrscheinlich aber 20 Jahre alt ist. Weil der Täter unter 21 ist, wurde der Fall nach Jugendstrafrecht verhandelt. Die Höchststrafe für Mord beträgt im Jugendstrafrecht zehn Jahre, bei besonderer Schwere der Schuld sogar 15 Jahre.

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Tat war gefundenes Fressen für fremdenfeindliche Gruppen

Kritiker forderten bereits vor der Urteilsverkündung ein härteres Jugendstrafrecht. Auch die Debatte um eine generelle Altersüberprüfung von jungen Flüchtlingen entbrannte neu. Rechtspopulisten und fremdenfeindliche Bündnisse nutzten den Fall für ihre Zwecke aus – während des Prozesses kam es zu zahlreichen Mahnwachen und Demonstrationen.