13 Jahre und sechs Monate Haft

Gülle-Prozess in Augsburg: Bauer wegen Totschlags verurteilt

Gericht verkündet Urteil nach Gülle-Tod von Bäuerin
Gericht verkündet Urteil nach Gülle-Tod von Bäuerin
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh fgj sja

20. Mai 2020 - 19:40 Uhr

Frau niedergeschlagen und mit Gülle überschüttet

Totschlag oder Unfall? Darüber musste das Gericht in Augsburg im sogenannten Gülle-Prozess entscheiden. Die Staatsanwaltschaft hatte Ludwig O. vorgeworfen, seine Frau niedergeschlagen und dann so mit Gülle überschüttet zu haben, dass sie erstickte. Das Gericht sah dies trotz großer Zweifel der Verteidigung als bewiesen an.

„Ich bin unschuldig“

Kurz vor der Urteilsverkündung wiederholt es der 55- jährige Landwirt noch einmal: "Ich erwarte einen Freispruch. Ich bin unschuldig." Aber das Augsburger Landgericht entscheidet anders. Der Angeklagte wird zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft wegen Totschlags verurteilt. Das Gericht folgt somit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die drei Verteidiger reagieren bestürzt. Mehrmals ruft Anwalt Peter Witting ein lautes "unfassbar" in Richtung der Richterin, die ihn daraufhin des Saales verweist.

Zuerst der Schlag, dann die Gülle

Ludwig O. nimmt das Ganze regungslos zur Kenntnis. Er hatte immer wieder darauf plädiert, es sei ein Unfall gewesen. Doch zwei der drei Rechtsmediziner sahen die Tat als bewiesen an. Demnach soll Ludwig O. seine Frau Walburga O. im September 2018 auf deren Hof im bayrischen Wallerstein erst niedergeschlagen und dann mit Gülle erstickt haben. Die Gülle in der Grube war nur 28 cm tief, das Opfer hatte aber rund 150 ml Gülle im Magen. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass dem Opfer die Gülle eingeflößt worden sein muss.

"Es gibt keine entwürdigendere Behandlung, als das Übergüllen einer Person mit Schweinemist", so die Richterin. Mordmerkmale konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Es soll eine Tat im Affekt gewesen sein.

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Ein spektakulärer Indizienprozess

Seit Mitte Oktober musste sich Ludwig O. in einem spektakulären Indizienprozess vor dem Landgericht verantworten. Das Problem der Verteidigung: Ein Unfall ließ sich nicht rekonstruieren. Laut der drei Verteidiger sei seine Frau beim Putzen in der Grube ausgerutscht und in die Gülle gefallen. In der Urteilsbegründung widersprach das Gericht: Als erfahrene Bäuerin kannte Walburga O. die Gefahren und wäre somit nie alleine in die Grube gestiegen. Die Kopfverletzungen stammten zudem nicht von einem Sturz.