Daniel H. mit Messer getötet

Urteil in Chemnitz: Angeklagter zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

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23. August 2019 - 10:48 Uhr

Schnelles Ende des Chemnitz-Prozesses

Daniel H. wurde im August vergangenen Jahres mit einem Messer am Rande des Stadtfestes in Chemnitz getötet. Weniger als ein Jahr danach hat das Landgericht Chemnitz den Angeklagten Alaa S. wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht blieb damit sechs Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer Freispruch gefordert.

Letzte Worte des Angeklagten Alaa S.

Nach 19 Verhandlungstagen war die Kammer davon überzeugt, dass Alaa S. am 26. August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker den 35-jährigen Daniel H. erstochen hat. Der mutmaßliche Mittäter ist weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

Der Angeklagte sprach sich in seinem letzten Wort für ein faires Urteil aus. "Ich kann nur hoffen, dass hier die Wahrheit ans Licht gebracht wird und ein gerechtes Urteil gesprochen wird", ließ der Syrer durch einen Dolmetscher übersetzen. In der gesamten Verhandlung hatte der 24-Jährige zu den Vorwürfen gegen ihn geschwiegen.

„Hetzjagden“ und internationale Schlagzeilen

27.8.18 - Ausschreitungen bei Pro Chemnitz Veranstaltung - Nach dem Tod eines jungen Mannes bei einer Messerstecherei am frühen Sonntagmorgen, versammelten sich mehrere tausend Personen aus dem gesamten rechtsextremen Spektrum und Hooligan Milieu in
Ausschreitungen von Rechten nach dem Tod von Daniel H. in Chemnitz
© imago/Michael Trammer, Michael Trammer, imago stock&people

In der Folge der Messerattacke war es im vergangenen Jahr in Chemnitz zu rassistisch motivierten Übergriffen gekommen, die mehr als das Verbrechen selbst auch auf internationaler Ebene ein Schlaglicht auf Chemnitz warfen.

Der Streit um die Frage, ob es "Hetzjagden" gegeben habe, wurde auf Bundesebene zur Zerreißprobe für die große Koalition aus Union und SPD - und führte letztlich dazu, dass der damalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, seinen Posten verlor.