Landgericht fällt Urteil

Bonn: Schläger Walid S. muss wegen versuchten Totschlags sechs Jahre ins Gefängnis

Walid

26. Juli 2019 - 10:43 Uhr

Er trat Wehrlosem brutal gegen den Kopf

Urteil gegen Walid S.: Der 23-Jährige muss wegen versuchten Totschlags für sechs Jahre hinter Gitter. Für das Gericht steht fest, dass S. den wehrlosen Mann gegen den Kopf getreten hat, als dieser schon am Boden lag. "Viel massiver kann Gewalt nicht sein", sagte der Vorsitzende Richter. Das Opfer erlitt bei der Tat im Februar schwerste Kopfverletzungen.

Geständnis zum Prozessauftakt

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts, der sechs Jahre Haft gefordert hatte. Walid S. habe den Tod des 26-Jährigen billigend in Kauf genommen. Die möglicherweise lebensgefährlichen Folgen seiner Attacken seien ihm als Kickboxer bewusst gewesen.

Sein Opfer hatte mit einem doppelten Kiefer- und einem Jochbeinbruch im Krankenhaus gelegen.

Der Verteidiger plädierte auf eine höchstens dreijährige Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte gestand sein Verbrechen zum Prozessauftakt, bestritt jedoch eine Tötungsabsicht.

Die Kammer befand den 23-Jährigen auch der Beleidigung und des Widerstands gegen Polizeibeamte für schuldig. Er hatte im Januar in einem Schnellimbiss randaliert und sich massiv gegen seine Festnahme gewehrt. Vier Polizisten konnten ihn schließlich überwältigen. 

Walid S. war Hauptangeklagter im Fall Niklas und wurde freigesprochen

Ein Kreuz steht am 13.05.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) an der Stelle, an der der nun verstobene Niklas P. (17) am 07.05.2016 von bisher unbekannten Schlägern attackiert wurde. Der Jugendliche war nach einem Konzertbesuch mit Freunden auf dem Weg
An diesem Platz in Bonn wurde Niklas P. (17) so brutal zusammengeschlagen, dass er später seinen Verletzungen erlag.
© dpa, Volker Lannert

Walid S. war Hauptangeklagter im Fall des im Mai 2016 zu Tode geprügelten Schülers Niklas in Bonn. Der Prozess vor dem Bonner Landgericht endete 2017 jedoch mit einem Freispruch.

Kurze Zeit später wurde das Verfahren ohne Ergebnis eingestellt. "Der Täter konnte nicht ermittelt werden, da das gesamte Umfeld eisern schweigt", sagte der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender. Sollte sich eines Tages doch noch jemand dazu durchringen, sein Schweigen zu brechen, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen.