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Ursula von der Leyen wehrt sich: Doktorarbeit kein Plagiat

Ursula von der Leyen wehrt sich: Doktorarbeit kein Plagiat

Unabhängige Überprüfung

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wehrt sich gegen Kritik an ihrer Doktorarbeit. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Politikerin der 'Funke'-Mediengruppe. Zuvor waren Zweifel an ihrer Dissertation laut geworden.

Kritik an Doktorarbeit : Verteidigungsministerin von der Leyen weist Plagiatsvorwürfe zurück
Nach der öffentlichen Kritik meldete sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen selbst zu Wort und dementierte die Vorwürfe.
dpa, Kay Nietfeld

"Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen", so von der Leyen. Sie habe Ende August "von den Aktivitäten im Netz" erfahren. Noch am selben Tag habe sie die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, die Dissertation "durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen". "Diese unabhängige Überprüfung wurde mir auch zugesagt", sagte von der Leyen. Ihr Sprecher hatte die Vorwürfe zuvor bereits zurückgewiesen.

Plagiatsjäger werfen der Verteidigungsministerin Regelverstöße in deren medizinischer Doktorarbeit vor. Die 1990 erschienene Arbeit enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf der Internetplattform 'VroniPlag Wiki', wo Nutzer ihre Erkenntnisse zusammentragen. Bisher seien auf 27 der insgesamt 62 Textseiten Plagiatsfundstellen dokumentiert.

Eine Ombudsperson der Hochschule prüfe gemäß der gültigen Verfahrensregeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) die Doktorarbeit sowie die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Gemäß der gültigen Verfahrensregeln an der MHH sei danach mit der Einleitung einer förmlichen Untersuchung durch die GWP-Kommission zu rechnen. Die Hochschule kündigte schnelle interne Ergebnisse an.

Der Juraprofessor Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, der seit Jahren bei 'VroniPlag' mitarbeitet, sagte 'Spiegel Online', von der Leyens Arbeit sei "eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall". Problematisch finde er allerdings die 23 gefundenen Fehlverweise, also Hinweise auf Quellen, in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden sei. "Das ist im medizinischen Bereich besonders gefährlich". Von der Leyen promovierte im Bereich Frauenheilkunde. Der Titel der Arbeit lautet: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

Plagiatsvorwürfe gegen zahlreiche Prominente

Unregelmäßigkeiten in Dissertation brachten schon mehrere Politiker in Bedrängnis. In einigen Fällen kam es zum Verlust des Doktortitels und zu Rücktritten aus wichtigen Ämtern. Wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige Bundesbildungsministerin Anette Schavan im Februar 2013 zurück. Die Uni war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor "systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

Im Februar 2011 sorgten auch bei Karl-Theodor zu Guttenberg viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem CSU-Politiker und früheren Verteidigungsminister den Titel ab. Nach Protesten der Opposition und aus der Wissenschaft trat Guttenberg im März 2011 als Minister zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, er habe für seinen 2007 erworbenen Doktortitel vorsätzlich getäuscht.

Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer haben sich nach Prüfung der Dissertation durch die Prager Karls-Universität nicht bestätigt. Das teilte die Hochschule im Oktober 2014 mit. Scheuer hatte in Prag 2004 ein "kleines Doktorat" erworben. Da die akademischen Standards beider Länder nicht vergleichbar sind, darf er den "Dr." nicht landesweit, sondern nur in Berlin und Bayern führen. Nachdem er wegen der Verwendung auch anderswo kritisiert wurde, verzichtet Scheuer nun ganz auf Führen des Titels.