Wut auf Tönnies

Gütersloh-Lockdown: Bleiben Urlauber jetzt auf ihren Kosten sitzen?

26. Juni 2020 - 11:56 Uhr

Einwohner frustriert über erneuten Lockdown und die Folgen

Schulen, Kitas und Fitnessstudios geschlossen, Urlaube gecancelt: Die Menschen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf sind sauer auf den Schlacht-Riesen Tönnies. Viele Urlaubsregionen fordern von Einreisenden aus dem Lockdown-Gebiet jetzt negative Corona-Tests, bei manchen platzt die Reise ganz. Bleiben die Betroffenen jetzt auf ihren Kosten sitzen? Ein Rechtsanwalt erklärt im Video, was erst passieren müsste, damit sie ihr Geld zurückbekommen.

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"Der Lockdown ist der Supergau"

Der Kreis Gütersloh wird zum Urlaubsfrust-Gebiet: Vorfreude weicht Stress, in langen Schlangen vor den Testzentren versuchen die Menschen, noch rechtzeitig einen Nachweis zu bekommen, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind – denn der wird von manchen Urlaubszielen derzeit gefordert, wie beispielsweise von Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein.

Auch Mecklenburg-Vorpommern fordert von Reisenden aus Risikogebieten einen negativen Corona-Test. Auf Usedom und im Ostseebad Kühlungsborn wurden deshalb bereits Dutzende Urlauber abgewiesen. "Der Lockdown ist der Super-Gau", findet Thorsten Reinert. Der 50-jährige stand bereits am Dienstag mit seinem neunjährigen Sohn für den Test an. "Wir fahren am Freitag an die Ostsee in den Urlaub und wollen da einen negativen Test in der Hand haben, falls wir sonst nicht hingelassen werden", erzählt er der dpa.

"Wegen Tönnies gerät alles wieder ins Wanken"

Die Lehrerin Farina Jording aus Rheda-Wiedenbrück ist ebenfalls sauer: "Wir wollen in den Sommerurlaub fahren, in die Lüneburger Heide. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob das klappt." Die Mutter hatte den Urlaub mit ihren zwei kleinen Kindern schon vor einem Jahr geplant. "Ich bin wütend und frustriert, dass wegen Tönnies alles wieder ins Wanken gerät." Die Umstände der Werkarbeiter seien schließlich schon lange bekannt gewesen.

Für viele ist es nicht das erste Mal, dass die Urlaubspläne wegen Corona platzen: "Wir haben schon im Frühjahr den Urlaub umbuchen müssen, weil wir eigentlich fliegen wollten", erklärt Anwalt Kai Drees. "Jetzt soll es mit dem Auto nach Norderney gehen, aber wir haben von Leuten gehört, die nicht mehr dorthin fahren durften, weil sie aus dem Kreis Gütersloh kommen."

Österreich spricht Reisewarnung für ganz NRW aus

Umgekehrt sprach eines der beliebtesten Ziele der Deutschen kurzerhand eine Reisewarnung für ganz NRW aus: Österreich rät seinen Bürgern von einem Trip in das Bundesland dringend ab. Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte Österreich am Mittwochabend wegen der ausgesprochenen Reisewarnung indirekt: "Als in Ischgl mal etwas passiert ist, haben wir nicht eine Reisewarnung für ganz Österreich ausgesprochen", sagte der CDU-Politiker bei "Bild live". "Ich glaube nicht, dass Gütersloh schlimmer ist als Ischgl."

Bisher keine Einschränkungen in Spanien und Holland

Zunächst hieß es, für Menschen aus NRW, die in Österreich einreisen wollen, solle es keine Beschränkungen geben: "Die Reisewarnung hat keine Auswirkungen auf die Einreisebestimmungen in Österreich", sagte ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums der "Rheinischen Post". Für Reisende aus Deutschland gebe es weiterhin keine Test- oder Quarantäneerfordernis. Nach RTL-Informationen will das Land jetzt allerdings Flugzeugen aus NRW die Landung untersagen.

In Spanien beobachte man die weiteren Entwicklungen laut der spanischen Botschaft in Berlin aufmerksam, doch bisher wurden in dem beliebten Urlaubsland keine speziellen Maßnahmen für Reisende aus NRW erlassen. Auch das niederländische Außenministerium erklärte, dass die "Grenzen zu den Niederlanden offen sind wie zuvor".

TVNOW-Doku: Endlich wieder Urlaub! Reisen in der Corona-Krise

Wie sehen die verschiedenen Corona-Sicherheitskonzepte in Europas Urlaubsregionen aus? Welches Urlaubspotenzial bietet Deutschland, und welche Geheimtipps gibt es hierzulande? Erfahren Sie mehr in der neuen Dokumentation auf TVNOW: "Endlich wieder Urlaub! – Reisen in der Corona-Krise".