“Hart aber fair“ zur Corona-Krise

Corona und die Ferien: Wird der Urlaub zur Gefahr?

Moderator Plasberg bei "Hart aber fair"
© dpa, Horst Galuschka, hg sab kde alf

19. Mai 2020 - 11:36 Uhr

Virologe fürchtet, die Corona-Krise wird länger andauern als erhofft

Nach den Corona-Ferien in den richtigen Urlaub. Doch was bedeutet richtiger Urlaub und ist Reisen zur Erholung in Zeiten von Corona überhaupt möglich? Der Reiseveranstalter "TUI" streicht tausende Stellen. Gelder, erwirtschaftet durch 30 Millionen Touristen, die jährlich aus dem Ausland nach Deutschland kommen, werden in diesem Jahr ausbleiben und viele Reiseveranstalter haben bereits jetzt Insolvenz angemeldet.

Da stellt sich die Frage, was bedeuten die Einschränkungen seit der Pandemie für die Tourismusbranche und wie sehen die wirtschaftlichen Folgen aus?

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Virologe Kekulé ist für seinen Urlaub in Ägypten optimistisch

Am Strand liegen mit 8 Meter Mindestabstand, eine App die auf Reise alle Kontakte mitschneidet, und Hotels, die vor lauter Desinfektionsmittel in der Luft mehr einem Krankenhaus als einem Erholungsort gleichen. Bei "Hart aber fair" geht es auch in dieser Woche um die Ausmaße des Corona-Virus. Im Zentrum der Diskussion steht die Urlaubssaison, Reiseunternehmen und Urlauber. Welche Rechte hat der Verbraucher? Wie die Regeln in den europäischen Urlaubsländern derzeit aussehen, haben wir hier für Sie übersichtlich zusammengefasst.

Die Gäste und Ihre wichtigsten Aussagen:

  • Virologe Alexander Kekulé: Zwar ist er nach eigener Aussage kein Orakel, dennoch sagt er "In einem Jahr ist das Virus nicht vorbei". Er befürwortet viele Sicherheitsmaßnahmen der Hotels, die Manie um Desinfektionsspray stellt er jedoch in Frage. Hotels, die ihre Gäste beim Betreten der Anlage von Kopf bis Fuß mit Desinfektionslösung einsprühen, sollten ihre Maßnahmen noch mal überdenken. Dennoch sagt er, es kann dazu kommen, dass einige Reiseziele über den Sommer hin sicherer sind als der Heimatort. "Viren haben die Tendenz, im Sommer schwächer zu werden." Er selber ist optimistisch, seinen Urlaub nach Ägypten ohne Angst vor Ansteckung in diesem Jahr antreten zu können. Dennoch hat er kein Verständnis dafür, dass Reiserücktrittsversicherungen nicht bei Angst vor Corona in Kraft treten und der finanzielle Ausfall vom Verbraucher zu tragen ist.
  • Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, Thomas Bareiß, CDU macht Hoffnung auf einen Urlaub in ganz Deutschland und vielleicht sogar Europa. Selbstverständlich unter Einhaltung strenger Auflagen. Zu einem Rettungsfonds, den vor allem die kleinen Unternehmen in der Branche dringend benötigen, trifft er keine klaren Aussagen. Es gebe unter anderem die Überlegung, Gutscheine einzuführen. Dennoch versichert er, "ich kämpfe für schnelle Hilfe." Er will fördern, dass man sich nicht ausschließlich auf die Zeit mit Corona fokussiert, sondern auch die Frage stellt, was nach der Pandemie sein wird.
  • Meike Mouchtouris, Reiseverkehrskauffrau: Es ist schwer, ihren Kunden das Reisen schmackhaft zu machen. Diese sind verunsichert und möchten Klarheit haben. Zu schleierhaft ist, wie der Urlaub im einzelnen aussehen wird. Im Berufsalltag wird sie daher zu 99 Prozent mit Stornierungen der Kunden konfrontiert. Sie hat Verständnis für die Angst vor dem Reisen. "Die Gesundheit ist für uns an erster Stelle." Mit den Vorschlägen, die der Tourismusbeauftragte im Laufe der Sendung einfließen lässt, scheint sie ihre Zukunft allerdings nicht gesichert zu sehen. Sie fordert einen Rettungsfonds.

Uwe Ochsenknecht: "Schließlich geht es um Leben und Tod, niemand will uns schikanieren"

 Uwe Ochsenknecht bei der Weltpremiere des Kinofilms Narziss und Goldmund im Zoo Palast in Berlin am 02.03.2020 *** Uwe Ochsenknecht at the world premiere of the feature film Narcissus and Goldmund at the Zoo Palast in Berlin on 02 03 2020
Uwe Ochsenknecht: Der Außenbereich seiner Musikbar auf Mallorca darf nun zur Hälfte wieder für seine Gäste öffnen, doch mit viel Tourismus rechnet er in diesem Jahr nicht.
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  • Uwe Ochsenknecht, Schauspieler und Barbetreiber: Live aus Mallorca zugeschaltet, berichtet er von den Zuständen auf der Insel und sagt, die Deutschen hätten es vergleichsweise sehr gut. Man könnte den Urlaub ja auch in diesem Jahr in der Heimat verbringen, schließlich sei Deutschland nicht hässlich. Der Außenbereich seiner Musikbar auf Mallorca darf nun zur Hälfte wieder für seine Gäste öffnen, doch mit viel Tourismus rechnet er in diesem Jahr nicht. Stattdessen übt er sich im Verzicht. Als Kind einer Nachkriegsgeneration ruft er dazu auf, die "Meckerei" nicht überhand nehmen zu lassen, "schließlich geht es um Leben und Tod, niemand will uns schikanieren."
  • Rolf Seelige-Steinhoff, Hotelier: Er darf sein Hotel auf Usedom wieder öffnen. Rolf Seelige-Steinhoff tut alles dafür, damit sich die Gäste bei ihm im Hotel wohlfühlen. Er beschreibt, wie sich der Service verändert hat. Niemand soll dem üppigen Frühstückbuffet nachtrauern. Da die Anzahl der Tische im Speisesaal reduziert werden musste, erhält der Gast nun einen zusätzlichen Tisch, auf dem das Frühstück als Minibuffet angerichtet wird. Er sagt, dass aufgrund der fehlenden Flugkapazitäten viele gezwungen sind, ihren Urlaub in der Heimat zu verbringen, doch bereits in den letzten Jahren waren die Kapazitäten auf Usedom schon überlastet. Das Hotel darf nur 60 Prozent der Zimmer an Gäste vermieten.

Das Fazit:

Die Tourismusbranche leidet stark unter den Folgen des Lockdown. Es ist unklar, ob Urlaubsreisen in diesem Jahr möglich sein werden. Welche Rechte Verbraucher und welche Pflichten Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Hotels haben, scheint nur teilweise definiert. Viele Reiseunternehmer bieten Gutscheine statt Geld zurückzuzahlen, doch im Falle einer Insolvenz verliert der Verbraucher seine Ansprüche auf die geleistete Zahlung.

Die einzelnen Länder sind unterschiedlicher Auffassung, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um ein sicheres Verreisen zu ermöglichen. Das daher viele Verbraucher zum Urlaub auf Balkonien tendieren und ihre geplanten Reisen stornieren, treibt Reisekaufleute in den finanziellen Ruin. Auch der Reisebeauftragte der Bundesregierung macht keine großen Hoffnungen auf einen Rettungsfonds für die stark betroffene Branche. Es ist damit zu rechnen, dass Reisen in Zukunft wieder zu einem weniger erschwinglichen Luxusgut wird, wenn die einzelnen Zweige der Tourismusbranche durch die Krise kommen möchten.