Coronakrise, Party-Exzesse und Lied-Eklat um Manuel Neuer

Kroatiens Außenminister im RTL-Interview: "Urlauber können sich in Kroatien sicher fühlen"

20. Juli 2020 - 10:15 Uhr

130.000 Deutsche aktuell in Kroatien

Ob kontinuierlich steigende Corona-Fälle, Lied-Eklat um Manuel Neuer oder Exzesse in den Partyhochburgen an der Adria. Über Kroatien wurde in den vergangenen Wochen viel berichtet. RTL hat am Freitag mit Kroatiens Außenminister Gordan Grlic Radman über die aktuellen Themen gesprochen.

"Die Gesundheit unserer Gäste liegt uns selbstverständlich sehr am Herzen"

Kroatien war zunächst recht glimpflich durch die Coronakrise gekommen. Früh wurden die Grenzen für Touristen geöffnet, Tausende strömten daraufhin an die Adriaküste. Doch seit Ende Juni steigen die Infektionszahlen kontinuierlich an. Die Regierung in Zagreb versucht die Lage mit strengeren Maßnahmen unter Kontrolle zu bringen. "Wir haben zuletzt die Maßnahmen und Empfehlungen konkretisiert", sagt Grlic Radman im Gespräch mit RTL, "zurzeit haben wir etwa eine halbe Millionen Touristen im Land, davon sind 85 Prozent aus dem Ausland, rund 130.000 allein aus Deutschland." Bislang habe sich kein Tourist in Kroatien mit dem Coronavirus infiziert, so der Außenminister, "die Gesundheit unserer Gäste liegt uns selbstverständlich sehr am Herzen. Urlauber können sich in Kroatien sicher fühlen."

Bei den Pro-Kopf-Zahlen der Corona-Fälle liege das Adrialand laut dem Minister in der EU an siebtletzter Stelle. "Die meisten Corona-Fälle sind in der Hauptstadt Zagreb und im Landesinneren, also fernab der Küste", sagt Grlic Radman. Zudem werde die Lage in den Nachbarländern Serbien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina sehr genau verfolgt.

Strenge Maßnahmen in Clubs und Diskotheken

Die Corona-Regeln der Regierung scheinen allerdings nicht überall in Kroatien angekommen zu sein. RTL-Zuschauer, die gerade Urlaub auf der Insel Pag machen, berichten von überfüllten Clubs und Verstößen gegen die Corona-Schutzvorkehrungen. Das ist klar übertrieben, allerdings lassen sich solche Partys auch nicht immer vermeiden, sagt Grlic Radman. "Die Menschen benehmen sich halt wie Menschen. Jeder möchte sich frei fühlen. Wir haben bislang rund 250 Clubs und Diskotheken kontrolliert." 68 dieser Clubs sollen bereits gegen die bestehenden Richtlinien verstoßen haben – und seien anschließend ermahnt worden.

Die Maßnahmen seien sehr streng, sagt Grlic Radman. "Wenn sie in einen Club kommen, muss das Personal die Körpertemperatur der Gäste messen." Ebenso sei die Besucherzahl eingeschränkt. Zudem sei es verboten, Tanzflächen zu nutzen. "Das kroatische Gesundheitssystem ist Dank der gut durchdachten und rechtzeitigen Maßnahmen sehr gut vorbereitet. Ich lade deutsche Touristen erneut ein, Kroatien als Urlaubsziel zu wählen", sagt der Außenminister.

Lied-Eklat um Manuel Neuer

Vor wenigen Tagen schlug ein Urlaubs-Video von FC-Bayern-Kapitän Manuel Neuer hohe Wellen. Dort singt der Keeper in heiterer Gesellschaft das Lied "Lijepa li si" (Deutsch: "Wie schön du doch bist") des umstrittenen kroatischen Sängers Marko Perkovic "Thompson". Die Empörung in den deutschen Medien hält der Außenminister für "übertrieben". "Kroaten sind als eine sehr temperamentvolle Nation bekannt. Mit traditionellen und geselligen Menschen, die gerne singen", so der Minister. Er wisse nicht, was hinter der Aufregung stecke. "Aber das Lied "Lijepa li si" ist während der Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren bereits als zweite Hymne der kroatischen Nationalmannschaft gesungen worden. Es wird auch im privaten Rahmen immer gerne gesungen", sagt Grlic Radman.

Der Text beschreibe die Schönheit Kroatiens, der Regionen und den Zusammenhalt der Kroaten aus aller Welt. "Viele Kroaten fühlen sich durch ihren Patriotismus verbunden, was typisch für mediterrane Länder ist", erklärt er, "ich sehe nichts Kontroverses in diesem Lied." Dass unter den in dem Lied aufgezählten kroatischen Regionen auch die Region "Herceg-Bosna" auftaucht, die Teil von Bosnien und Herzegowina ist, sieht der Minister weniger dramatisch. "Ich bin in der Region geboren. Dort leben viele Kroaten. Sie müssen wissen, Kroatien war das erste Land, welches Bosnien und Herzegowina 1992 anerkannt hat. Territoriale Bestrebungen sind absolut kein Thema. Die Strophen beschreiben einfach nur Regionen, wo Kroaten leben", erklärt er.

Von Marko Orlovic