Ernüchternder Greenpeace-Report

Ostsee ist eines der schmutzigsten Meere weltweit

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10. Juli 2020 - 12:15 Uhr

Ökosystemen der Nord- und Ostsee geht es schlechter denn je

Sylt und Travemünde statt Ballermann und Thailand! Dank vieler Lockerungen wurde aus Reisefrust wieder Reiselust. Viele Deutsche wollen trotz anhaltender Reisebeschränkungen weiter weg als auf den Balkon oder in den heimischen Garten. Die Küsten der Bundesrepublik verzeichnen einen Gästeansturm – dabei funken Nord- und Ostsee längst SOS. Ihren Ökosystemen geht es einem neuen Report zufolge schlechter denn je.

„Meere werden geplündert, zerstört und verschmutzt"

Die deutschen Strände waren pünktlich zu Beginn der Sommerferien in vielen Bundesländern ruckzuck voll. Doch die sonnigen Urlaubsdomizile haben eine traurige Schattenseite: Wie die Umweltorganisation Greenpeace berichtet, brechen die Fischbestände von Dorsch und Hering ein. Dabei trifft es die Ostsee besonders stark: Das kleine Meer mit großer Vielfalt gehört mittlerweile zu den schmutzigsten Meeren der Welt. Für die Missstände prangern die Umweltschützer die Regierung an. Meeresschutzgebiete würden genauso ausgeplündert wie der Rest von Nord- und Ostsee.

In dem aktuellen Report zu den deutschen Meeren schlagen die Aktivisten Alarm: "Unsere Meere werden geplündert, zerstört und verschmutzt, nur für den kurzfristigen Profit – mit drastischen Folgen für die Artenvielfalt und letztlich für uns alle", so Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack.

Schutzgebiete laut Greenpeace wirkungslos

Plastikmüll am Meer
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Dass 43 Prozent der Nordsee und rund 51 Prozent der Ostsee Schutzgebiete sind, bringe der Ökologie gar nichts, erklärt Greenpeace. Auch die EU habe das bereits bemerkt: "Deutschland drohen tägliche Zwangsgelder in Millionenhöhe, weil die Bundesregierung ihren Schutzgebieten nicht genügend Schutz gewährt."

Zudem wird der Sonderbericht des EU-Rechnungshofes zitiert: "Die Ostsee ist noch immer eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt." Auch wenn die deutschen Gewässer längst ihr abgestaubtes Image abgelegt haben und als Naturschatz bekannt sind, geht es ihren Bewohnern nicht gut: Immer weniger Dorsch und Hering leben in der Ostsee. Auch Deutschlands einzige Walart, der Schweinswal, sei gefährdet.

„Todeszonen“ werden immer größer

Allein in der Ostsee sind die sauerstoffarmen "Todeszonen" laut Greenpeace auf 60.000 Quadratkilometer angewachsen. Vor 115 Jahren betrug die Fläche nur 5.000 Quadratkilometer.

In der Nordsee verendeten zuletzt tonnenweise junge Heringe, Stinte, Finten, Aale und Schweinsale. Lesen Sie hier, wie es zu dem rätselhaften Fischsterben kommen konnte.

Doch es gibt auch einen Lichtblick: Wie die Umweltorganisation BUND mitteilt, nimmt die Zahl der Ostsee-Kegelrobben immer weiter zu, nachdem die Tiere vor 100 Jahren in Deutschland fast ausgerottet waren.

Temperaturen stark angestiegen

Erst am Mittwoch war erneut eine unverhältnismäßig starke Erwärmung von Nord- und Ostsee bekannt geworden: Die Nordsee hat sich im Zeitraum 1969 bis 2017 unter Berücksichtigung der mittleren Oberflächentemperatur um 1,3 Grad Celsius erhitzt, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. In der westlichen Ostsee wurde demnach seit 1982 ein Temperaturanstieg von 0,6 Grad pro Dekade gemessen, das heißt um mindestens 1,8 Grad. Wenn sich der Temperaturanstieg fortsetze, drohen in beiden Meeren massive Veränderungen der Umwelt, warnen die Grünen.