33 Jahre nach der Katastrophe ist das Sperrgebiet als Reiseziel im Trend

Urlaub in der Todeszone: Touristen buchen Tschernobyl-Ausflüge

26. April 2019 - 16:33 Uhr

Im Video: So besichtigen Urlauber die Region um den Tschernobyl-Reaktor

26. April 1986: Eine Explosion zerstört einen Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl. 330.000 Menschen müssen die strahlenverseuchte Region verlassen, für immer. Doch 33 Jahre später ist das Sperrgebiet zum Hotspot für Touristen geworden. Wie es in der Umgebung des Katastrophenreaktors heute aussieht, wie die Natur sich die verlassenen Dörfer zurückerobert hat, das erfahren die Urlauber bei geführten Touren durch die frühere Todeszone - wie im Video zu sehen ist.

Wie gefährlich ist die radioaktive Strahlung noch?

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Waldstück in der kontaminierten Zone zwischen Pripjat und Tschernobyl
© imago/imagebroker, imago stock&people

Das Sperrgebiet auf weißrussischer Seite beginnt 30 Kilometer vom durch eine Schutzhülle abgedeckten Reaktor in Tschernobyl entfernt. Von hier aus beginnen die durch eine staaltiche Wissenschaftsorganisation geführten Touren. Urlauber, die die Geisterdörfer besuchen wollen, werden vor und nach ihrem Ausflug auf Strahlenbelastung überprüft. Besonders belastete Bereiche sind nicht Teil der Touristen-Routen.

Touristen dürften nur für eine bestimmte Zeit in das Sperrgebiet, erklärt Maksim Kudrin, stellvertretender Direktor des Radioökologischen Schutzgebietes Polesien. Dadurch sei die Strahlendosis für die Gesundheit der Besucher unbedenklich. Warum die Urlauber in die jahrzehntelang als Todeszone abgesperrten Bereiche vordringen wollen und was sie dafür zahlen - im Video.

Strahlenbelastung in Deutschland

ARCHIV - Zwei Wildschwein-Keiler rangeln am 22.01.2012 in einem Tiergehege (Illustration). Knapp 30 Jahre nach dem Atomunglück von Tschernobyl sind immer noch viele Wildschweine in Bayern radioaktiv belastet. Foto: David Ebener/dpa (zu dpa «"Tausende
Noch immer sind viele Wildschweine in Bayern radioaktiv belastet
© dpa, David Ebener

Der vierte Block des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl war am 26. April 1986 bei einem missglückten Experiment explodiert. Die radioaktive Wolke verstrahlte große Gebiete im heutigen Weißrussland, in der Ukraine und Russland. Zehntausende Menschen im Umkreis von 30 Kilometern mussten ihre Häuser für immer verlassen. Die Strahlung traf auch West- und Nordeuropa.

"Insbesondere bei Speisepilzen und Wildbret können auch 30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl deutlich erhöhte Cäsium-137-Aktivitäten gemessen werden", teilt das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Höher kontaminierte Nahrungsmittel aus dem Wald seien in den Teilen Deutschlands zu erwarten, die vom Tschernobyl-Fallout besonders betroffen waren - wie der Bayrische Wald und Gebiete südlich der Donau.