Pflegerin prangert Missstände an

Pflegenotstand: Menschen betteln, um auf Toilette gehen zu dürfen

30. November 2019 - 10:34 Uhr

Warum gehen wir so mit alten Menschen um?

Pflegenotstand in Deutschland und kein Ende in Sicht: Im Sommer fehlten hierzulande 50.000 Pflegekräfte, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb sogar im Kosovo um Personal. Die Stellen lassen sich einfach nicht besetzen. Während auf Kinderstationen deshalb mittlerweile todkranke kleine Patienten sterben, wird älteren Menschen in Pflegeheimen systematisch ihre Würde genommen. Eva Olerth arbeitet seit drei Jahrzehnten in der Pflege, vor zehn Jahren kündigte sie dem Heim, für das sie damals tätig war. Sie konnte die Zustände nicht mehr ertragen. "Es ist skandalös, wie wir mit alten Menschen umgehen", sagt sie im RTL-Interview.

"Machen Sie doch in Ihre Windel, dazu ist sie da"

Zusammen mit dem Medizinjournalisten hat Olerth das Buch "Albtraum Pflegeheim"* veröffentlicht. Darin spricht sie von skandalösen Zuständen. Auf die Frage, welcher Skandal in der Pflege der größte ist, kann sich Olerth gar nicht auf einen bestimmten festlegen. "Für mich ist es skandalös, wenn alte Menschen nicht genug zu essen und zu trinken bekommen. Und wenn sie noch nicht mal ihre Notdurft machen können, wenn man ihnen sagt: 'Machen Sie doch in Ihre Windel, dazu ist sie da'."

Es sei vor allem eine Frage der Haltung, wie Pflegekräfte mit ihrer Arbeit umgingen. "Ich kann mich dazu verleiten lassen, eher äußerlich die Betten sauber zu halten oder die Patienten zu pflegen. Wenn ich die Haltung habe, ich bringe meine Leute auf Toilette, dann mache ich das einfach. Und wenn ich die Zeit nicht habe, dann ist es ganz wichtig, dass wir sagen, dass wir die Zeit nicht haben", sagt Olerth. Stattdessen werde nach Außen suggeriert, es sei alles in Ordnung und dafür Dokumentationen manipuliert. Wie überfordertes Pflegepersonal mit alten Menschen umgeht und was getan werden muss, damit sich etwas ändert, erzählt Olerth im Video,

Wie erkennt man ein gutes Pflegeheim?

Aber woran erkennt man, ob die eigenen Eltern oder andere Angehörige in einer Pflegeeinrichtung gut aufgehoben sind? Schließlich hat nicht jeder die Möglichkeit, sie zu Hause zu versorgen. Reporterin Pia Osterhaus hat für die RTL-Enthüllungsreihe "Team Wallraff" schon selbst undercover in Pflegeheimen gearbeitet. "Ich würde darauf achten, wie mein Angehöriger zurechtgemacht ist, wenn ich zu Besuch komme", rät sie. "Ist er gepflegt, steht außerdem Wasser in greifbarer Nähe? Auf jeden Fall auch zu verschiedenen Tageszeiten zu Besuch kommen und auf das Pflegepersonal achten. Sind sie hektisch, gestresst, unfreundlich?"

Der äußerliche Zustand der Verwandten und das Verhalten des Personals sind nur zwei von vielen Faktoren, die verraten, wie in einer Einrichtung mit den Menschen umgegangen wird. Was Sie bei einer konkreten Suche sonst noch beachten sollten, erfahren Sie hier.

Pflege zu Hause: Das müssen Angehörige wissen

Nicht nur Geschichten wie die von Eva Ohlerth halten viele davon ab, ihre pflegebedürftigen Eltern oder Verwandten in einem Heim unterzubringen: Sie sollen ihrer vertrauten Umgebung nicht entrissen werden. Doch auch bei der Pflege zu Hause gibt es einiges zu beachten. Die wichtigsten Punkte erfahren Sie hier.

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