Unwetter in Italien: Ermittlungen gegen Bürgermeisterin

10. Februar 2016 - 11:03 Uhr

Genuas OB schloss die Schulen nicht - Tote

Der Norden Italiens wird weiter von heftigen Unwettern heimgesucht. Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und Verschuldung eines Desasters gegen die Bürgermeisterin von Genua.

Nach den schweren Unwettern gleicht Genua einer Geisterstadt.
Nach den schweren Unwettern gleicht das italienische Genua einer Geisterstadt.
© Reuters, ALESSANDRO GAROFALO

In der Kritik steht unter anderem die Entscheidung der linken Bürgermeisterin Marta Vincenzi, am Freitag trotz der vom Zivilschutz ausgegebenen höchsten Unwetterwarnung die Schulen nicht geschlossen zu haben. Zudem kritisieren die Staatsanwälte, dass trotz ähnlicher Vorfälle in den vergangenen Jahren in gefährdeten Vierteln nicht ausreichend vorgebeugt worden sei, berichteten italienische Medien.

Bei schweren Unwettern in Italien sind in den vergangenen zwei Wochen insgesamt 16 Menschen ums Leben gekommen - ein Ende des Regens ist nicht in Sicht.

In Genua waren am Freitag vier Frauen und zwei Kinder gestorben. Die Opfer ertranken oder wurden unter mitgerissenen Autos begraben. Starkregen hatte den Fluss Bisagno über die Ufer treten lassen und in der Via Fereggiano zu einer Art Tsunami geführt.

Wettervorhersagen sorgen für Angst im Süden

Denn die Wettervorhersagen für Italien blieben weiterhin schlecht: Während der Unwetteralarm von Ligurien nach Nordwesten in die Region Piemont verschoben wurde, versetzten starke Regenfälle die Behörden der süditalienischen Region Kampanien in Sorge. Besonders betroffen sei bisher die Gegend rund um den Vesuv bei Neapel. "Und die Aussichten sind nicht beruhigend", warnte der Zivilschutzchef der Region, Edoardo Cosenza.

In der Gegend von Alessandria im Piemont im Norden sollten am Sonntag mehr als 500 Menschen in Sicherheit gebracht werden, wie der Zivilschutz mitteilte. Schon am Vortag waren Dutzende Menschen im Piemont wegen Erdrutschgefahr vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. Die Verwaltung der Regionalhauptstadt Turin ordnete an, die Schulen am Montag geschlossen zu lassen.

Auch in Frankreich herrschen Unwetter: Im Süden des Landes ertrank ein 51 Jahre alter Deutscher im Fluss Herault, der durch starken Regen angeschwollen war. Auch die Leichen von vermutlich drei in Italien vermissten Opfern wurden in Südfrankreich gefunden: An der Côte d'Azur schwemmte ein starker Ostwind innerhalb von drei Tagen die Leichen von drei Männern an. Obwohl es keine Anzeichen von Gewaltanwendung gab, wurde eine Obduktion angeordnet. Rund 600 Personen mussten über das Wochenende evakuiert werden, weil Flüsse über die Ufer traten und Straßen sowie Häuser überfluteten.