"Unverzichtbar": Fritz Bauer-Institut wird 25 Jahre alt

Fritz Bauer, ab 1956 hessischer Generalstaatsanwalt. Foto: Karl Schnörrer/dpa/Archivbild
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13. Januar 2020 - 14:30 Uhr

Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) hat die Arbeit des vor 25 Jahren gegründeten Fritz Bauer-Instituts in Frankfurt als "wichtiger denn je" bezeichnet. Mit seiner Arbeit sei es nicht nur für die hessische, sondern auch für die nationale und internationale Forschungslandschaft von herausragender Bedeutung. "Das wurde durch die Einrichtung der ersten deutschen Holocaustprofessur zusammen mit der Goethe-Universität nochmals verstärkt", sagte Dorn. Nicht zuletzt leiste es einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.

Das im Januar 1995 gegründete Institut untersucht und dokumentiert als unabhängige Forschungs- und Bildungseinrichtung die Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen - insbesondere des Holocaust - und deren Wirkung bis in die Gegenwart.

Benannt ist das Institut nach Fritz Bauer, der als jüdischer Remigrant und seit 1956 als hessischer Generalstaatsanwalt für die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen kämpfte. Er initiierte den Frankfurter Auschwitz-Prozess, der in der jungen Bundesrepublik gerade viele junge Menschen erstmals mit den nationalsozialistischen Verbrechen und ihren Opfern konfrontierte.

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, das Institut leiste seit 25 Jahren "eine unverzichtbare Arbeit für unsere Demokratie, indem es die Nazi-Verbrechen minuziös erforscht und Einsicht in das grausame Kapitel der deutschen Geschichte gewährt". Für Bauer sei die Aufklärung der NS-Verbrechen die Bedingung für ein modernes, demokratisches Deutschland gewesen. "Diese Einsicht muss nach wie vor für unsere Gesellschaft gelten, insbesondere vor dem Hintergrund des immer wieder aufkommenden rechten Terrors, aber auch des höchst besorgniserregenden Erstarkens unverhohlen nationalistischer Gesinnungen, die wieder von größeren Teilen unserer Gesellschaft vertreten werden", sagte Hartwig.

Auch in Frankfurt sei noch nicht alles aus der Zeit des Nationalsozialismus ausreichend erzählt, sagte sie weiter. Dies gelte etwa für die sogenannte "Arisierung" jüdischen Eigentums, der Verfolgung von Homosexuellen oder der Einrichtung eines Konzentrationslagers im Frankfurter Gallus. "Die Stadt Frankfurt hat dazu unlängst Forschungsaufträge an das Fritz Bauer-Institut vergeben."

Für die Bildungsstätte Anne Frank sei das Fritz-Bauer-Institut ein langjähriger wichtiger Kooperationspartner, sagte Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte. "Gerade in Zeiten eines erstarkenden Antisemitismus und geschichtsrevisionistischer Äußerungen von extrem rechten Politikern ist die Forschung und Bildungsarbeit zu den nationalsozialistischen Massenverbrechen und ihren Nachwirkungen unverzichtbar und von unschätzbarem Wert."

Quelle: DPA