Nach 389 Tagen „Mosaic"-Expedition

„Unvergessliche Momente im Eis": Forscher der Polarstern zurück in Deutschland

13. Oktober 2020 - 9:54 Uhr

Forscher bringen gigantischen Datenschatz mit

Eisbären, die bedrohlich nahe kommen, schmelzendes Eis und Landschaften wie auf einem anderen Planeten: Kurz nach dem Anlegen der Polarstern in Bremerhaven schildern Expeditionsleiter Markus Rex und Kapitän Thomas Wunderlich, was sie im vergangenen Jahr an Bord des Forschungsschiffes und auf dem Eis erlebt haben. Sie sind gerade zurückgekehrt von der größten Arktisexpedition aller Zeiten. Doch mit dem Ende der Forschungreise ist die "Mosaic"-Expedition noch nicht abgeschlossen, denn nun beginnt die Auswertung der gesammelten Daten.

Historischer Meilenstein der Polarforschung

"Wir haben die Grenzen des Machbaren verschoben, mehrere Rekorde gebrochen, die Landschaft neu definiert." Die Begeisterung ist Markus Rex anzuhören, als er von der Expedition berichtet. Neun Monate war der Leiter auf dem Forschungsschiff, in der "völligen Schwärze der Polarnacht", hat aber auch die Polarlichter, eine "Explosion der Farben", gesehen. Markus Rex wird diese Bilder nicht vergessen, sagt er. Aber wohl auch das nicht: "Wir haben gesehen, wie das Eis verschwindet", dafür bräuchte man keine Messinstrumente.

Proben von Schnee, Eis und Ozeanwasser

12.10.2020, Bremen, Bremerhaven: Zwei Personen auf einem Schiff fotografieren die Rückkehr des Forschungsschiffs ·Polarstern·. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rückkehr der Polarstern in den Heimathafen von Bremerhaven
© dpa, Mohssen Assanimoghaddam, ass exa

Gemeinsam mit insgesamt 442 Fahrtteilnehmern hat Markus Rex Daten in der Arktis gesammelt. Die Auswertung wird Jahre dauern und die Wissenschaft dauerhaft verändern, so der Wissenschaftler. Markus Rex vergleicht die Arktis mit einem Uhrwerk, dessen Rädchen und Zähne die Forscher überprüft und genau beobachtet haben. Durch die Daten könnten die Forscher die Veränderungen in der Arktis und des Klimas besser verstehen.

"Wenn das so weiter geht, wird es in ein paar Jahren in der Arktis kein Eis geben"

FILE - In this Wednesday, July 3, 2019 file photo Markus Rex, an atmospheric scientist and leader of the MOSAiC expedition, stands on the bridge of the German Arctic research vessel Polarstern in Bremerhaven, Germany. The icebreaker Polarstern, carry
Markus Rex war der Expeditionsleiter auf der Polarstern.
© AP, Frank Jordans, FJ

Der Expeditionsleiter Rex macht auch deutlich: "Wir müssen die kleine Chance, diese Welt zu erhalten, nutzen". Im Polarwinter sei es viele Grad wärmer gewesen als in älteren Aufzeichnungen, das Eis würde schmelzen. Auch der Kapitän der Polarstern, Thomas Wunderlich, nennt die Situation, als das Schiff eine neue Scholle ansteuert, "erschreckend". Sie seien nahezu hindernisfrei vorangekommen. Der Kapitän empfiehlt sogar jedem, das Eis mal gesehen zu haben: "Man bekommt einen ganz anderen Blick und Empfinden fürs Leben und seine persönliche Einstellung."

Forschungsministerin Karliczek: "Ich bin so froh, dass alle heil wieder da sein"

12.10.2020, Bremen, Bremerhaven: Vier Personen an einer Kaimauer winken während der Rückkehr des Forschungsschiffs ·Polarstern· mit blauen und roten Winkhänden. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Rückkehr der Polarstern wurde sogar an der Kaimauer gefeiert.
© dpa, Mohssen Assanimoghaddam, ass exa

Zu einem Großteil wird die "Mosaic"-Expedition vom Bundesforschungsministerium finanziert. Ministerin Anja Karliczek (CDU) bedankt sich bei der Ankunft bei allen Beteiligten. Die Forscher hätten einen "einmaligen Datenschatz gehoben, von dem Generationen nach uns profitieren werden" und das trotz enormer Herausforderungen, so die Forschungsministerin. Die Forscher würden so einen Beitrag dazu leisten, die Welt, wie wir sie kennen, für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.