Untersuchungsbericht zu Tod von Litwinenko: Putin billigte Ermordung wahrscheinlich

© dpa, epa Sergei Kaptilkin

26. Januar 2016 - 10:58 Uhr

Ergebnisse bleiben "nicht ohne Auswirkungen" auf das bilaterale Verhältnis

Im Novermber 2006 wurde der ehemaliger KGB-Mann Alexander Litwinenko in London mit Polonium vergiftet. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern der russischen Regierung. Im Jahr 2000 hatte er mit der russischen Regierung gebrochen und war anschließend ins Exil nach Großbritannien gegangen. Nun wurde ein abschließender Untersuchungsbericht veröffentlicht. Demnach wurde der damals 43-Jährige wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ermordet. Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, im Abschlussbericht.

Die Tat sei "wahrscheinlich gutgeheißen worden" vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew "und auch von Präsident Putin", schrieb Owen. Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen. Doch der Bericht ist diplomatisch heikel: Die britische Regierung wollte verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird – um Spannungen zwischen beiden Ländern zu vermeiden. Doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich vor Gericht durch.

Russlands Abgeordneter Andrej Lugowoi wies die Anschuldigungen des Berichts als "absurd" zurück. Ein russischer Justizsprecher nannte die Untersuchungsergebnisse "politisch motiviert". Moskau werde auf einer solchen Grundlage kein Verfahren gegen Lugowoi und den ebenfalls am Anschlag beschuldigten Dmitri Kowtun eröffnen, sagte der namentlich nicht genannte Mitarbeiter. Zudem untersage es die russische Verfassung, russische Staatsbürger für einen möglichen Prozess im Ausland auszuliefern, bekräftigte er. Schon jetzt sei aber klar, dass die Ergebnisse "nicht ohne Auswirkungen" auf das bilaterale Verhältnis bleiben würden.