Untersuchungsausschuss bestätigt: Übergriffe in der Silvesternacht waren vermeidbar

21. März 2017 - 16:52 Uhr

Bisher wurde nur wenige zur Rechenschaft gezogen

Viele haben es schon geahnt, jetzt wurde es auch noch einmal offiziell bestätigt: Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln wären vermeidbar gewesen. Das steht zumindet in einem Entwurf des Abschlussberichts eines Untersuchungsauschusses des NRW-Landtags, aus dem mehrere Medien zitieren. Das Gremium sollte klären, wie es zu den Vorfällen kommen konnte.

Für die Opfer ist das ein herber Schlag. Denn auch 15 Monate nach den Vorfällen sind noch immer nur einige wenige Täter identifiziert und kaum jemand wurde für die Angriffe zur Rechenschaft gezogen. Damals wurden hunderte Frauen am Kölner Hauptbahnhof vor den Augen der Polizei eingekesselt, sexuell belästigt und ausgeraubt.

Polizei hätte entschlossener durchgreifen müssen

Vor allem die Polizei muss sich in dem Untersuchungsbericht schwere Vorwürfe gefallen lassen. "Die Übergriffe der Silvesternacht 2015/2016 hätten, zumindest weitgehend, verhindert werden können, wenn schon bei den ersten Straftaten frühzeitig und entschlossen durchgegriffen worden wäre", zitiert die Zeitung 'Express' aus dem Untersuchungsbericht. Stattdessen wären viele belästigte Frauen gar nicht ernst genommen worden.

Bei dem Einsatz hätten dafür aber der Überblick und die nötigen Kräfte gefehlt. Schon die Planung hätte Fehler aufgewiesen, weil die Stadt Köln und die Landespolizei die Erfahrungen aus den Jahren davor nur unzureichend berücksichtigt hätten. Auch das Land NRW habe sich einen "groben Fehler" mit fatalen Folgen geleistet, als es die Zahl der ursprünglich angeforderten Kräfte reduzierte.

Nach den Übergriffen gingen über 1.200 Anzeigen bei der Polizei ein – 500 davon wegen Sexualdelikten. Bisher musste sich nur ein Bruchteil der Täter vor Gericht verantworten. Die meisten wegen Diebstahls oder Hehlerei. Die Sexualdelikte blieben bisher weitestgehend ungesühnt.