17. Juli 2018 - 19:18 Uhr

Sprunghafter Anstieg nach Ausweitung des Unterhaltsvorschusses

So hat sich das Bundesfamilienministerium die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses vorgestellt: Statt 414.000 Kinder vor der Reform im Juli 2017 bekommen jetzt 713.514 Kinder Unterstützung vom Staat. Die Kehrseite der Medaille: Geplant ist zwar, dass die Jugendämter sich den Unterhaltsvorschuss vom unterhaltspflichtigen Elternteil wiederholen. Das klappt aber nicht, Vater Staat bleibt auf dem Löwenanteil der 1,1 Milliarden Euro sitzen. In 90 Prozent der Fälle sind es die Väter, die ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zum Unterhaltsvorschuss

Wer hat Anspruch auf wie viel Unterhaltsvorschuss?

Alleinerziehende Mütter und Väter erhalten die staatliche Finanzhilfe, wenn das andere Elternteil seiner Pflicht, Unterhalt zu zahlen, nicht nachkommt. Vor der Reform bestand dieser Anspruch aber nur für Kinder bis zwölf Jahren und für maximal 72 Monate. Seit dem 1. Juli 2017 fließt das Geld hingegen bis zum 18. Geburtstag des Kindes und ohne zeitliche Begrenzung.

Knapp 200.000 Kinder über zwölf Jahren erschienen dadurch neu in der Statistik. Auch bei den Sechs- bis Elfjährigen stieg die Zahl um über 107.000 Kinder an. Diese Altersgruppe war bislang oft wegen der begrenzten Bezugszeit aus der Förderung herausgefallen.

Für Kinder bis fünf Jahre gibt es 154 Euro, bis elf Jahre 205 Euro und bis 17 Jahre 273 Euro. Besonders alleinerziehende Eltern von jugendlichen Kindern spüren durch die Reform also eine echte Entlastung. Der Unterhaltsvorschuss muss schriftlich bei der zuständigen Unterhaltsvorschusskasse beantragt werden, meist ist das das Jugendamt.

Jugendämter scheitern oft daran, das Geld zurückzubekommen

Im vergangenen Jahr musste der Staat – durch viele Neu-Anträge und deutlich mehr berechtigte Unterhaltsvorschuss-Empfänger – rund 1,1 Milliarden Euro aufwenden. Von dem gezahlten Vorschuss konnten nur rund 209 Millionen Euro wieder eingetrieben werden. Die Rückholquote – überwiegend bei säumigen Vätern – lag damit bei unter 20 Prozent.