Polarwirbel in Nöten

Eisiges Erwachen im neuen Jahr - Ein Hoch stellt jetzt die Winter-Weichen

15. Dezember 2021 - 9:25 Uhr

Winter 2021/2022 könnte schon

Erst im letzten Winter haben wir gespürt, was passiert, wenn der Polarwirbel seine Stabilität verliert. Dann nämlich haben kalte Winterluft und Schnee bei uns in Deutschland leichtes Spiel. Eine Lage, die sich im Januar 2022 wiederholen könnte. Die Weichenstellung hierfür beginnt aber jetzt schon.

Entscheidende Phase - Hochwinter bringt sich in Stellung

"Der Polarwirbel schützt uns in Mitteleuropa vor der eiskalten Winterluft im hohen Norden. Aber nur, wenn er intakt ist. Ist der Wirbel geschwächt oder sogar geteilt, dann kann die Kaltluft aus dem Norden oder aus dem Osten bis nach Deutschland kommen", so RTL-Meteorologe Björn Alexander. Der Vorlauf für eine solche Teilung sei ein Prozess über Tage oder sogar Wochen, fährt Alexander fort und deutet darauf hin, dass "wir uns momentan in einer entscheidenden Phase für den weiteren Winterverlauf befinden". Genau passend zum sogenannten Hochwinter, also der für gewöhnlich kältesten Zeit des Jahres im Januar und Februar.

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Was bedeutet das kurzfristig für unser Wetter?

Björn Alexander: "Zunächst einmal wird es eher langweilig für das Deutschlandwetter. Denn Hoch YASCHA baut zusammen mit dem bald entstehenden Atlantikhoch ZAFIRA eine massive Hochdruckbrücke. Spannend wird es in etwa am dem vierten Advent. Dann sieht ein Teil der Vorhersagen, dass sich das Hochdruckgebiet sich tendenziell Richtung Nordatlantik, Island und Grönland verlagert." Das sei eine Lage, die zuerst einmal der Kaltluft die Tore nach Mitteleuropa öffne. Im nächsten Schritt könne diese Situation - laut des Meteorologen - sogar eine nachhaltige Einwinterung bei uns zur Folge haben. Nämlich dann, wenn der Polarwirbel dauerhaft geschwächt oder gar geteilt wird.

Zeichen stehen auf Winterwetter

Polarwirbel leicht erklärt: Wenn er schwächelt , kann es bis nach Mitteleuropa sehr kalte Witterungsabschnitte geben.
Das steckt hinter einem schwachen Polarwirbel: Eisige Luft kann weit nach Süden , warme Luft weit nach Norden kommen. Ein starker Polarwirbel sorgt dafür , dass die ganz kalte Luft ganz im Norden bleibt.
© National Oceanic and Atmospheric Administration

"Aktuell sind ein ganzer Teil der Vorhersagemodelle und der anderen globalen Big Player rund um einen nachhaltigen Wintereinbruch auf einem guten Weg im Sinne der Freunde von eiskaltem Wetter. Auch die Prozesse, die sich in südlichen Breiten nahe des Äquators abspielen und die ebenfalls auf Winterwetter in Deutschland einzahlen, sprechen nämlich für eine längere winterliche bis hochwinterliche Phase im Januar." Neben dem Klimaphänomen La Nina verweist Alexander hier auf ein bestimmtes Wettermuster in den tropischen Breiten, die sogenannte Madden-Julian-Oszillation (MJO), die ebenfalls für eine längerfristige Winterzeit in Europa spricht.

Wie wird das Wetter im Januar 2022?

"Sollte es tatsächlich so kommen, dann dürften wir bereits ab dem Jahreswechsel in den Dauerfrostbereich rutschen. Nachts würde es knackig bis eiskalt. Sollte sich noch Schnee dazu gesellen, dann wäre verbreitet auch strenger Frost, also unter -10 Grad möglich." Eine Situation, die sich durchaus länger halten könne. Denn wenn der Polarwirbel erst einmal geteilt oder stark geschwächt ist, dann brauche er in der Regel eine längere Zeit, um sich wieder neu zu organisieren und um wieder in Schwung zu geraten.

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(bal, oha)