Bernd Lucke unter Polizeischutz aus Vorlesung geführt

AfD-Gründer kehrt als Professor zurück - Proteste: „Nazis raus aus der Uni“

16. Oktober 2019 - 22:03 Uhr

Er ist wieder da? AStA-Proteste führen zu Vorlesungsausfall

Einige Jahre war es sehr ruhig um Bernd Lucke, dafür zum Start des Wintersemesters in Hamburg umso lauter. Der AfD-Gründer hätte am Mittwoch seine erste Vorlesung nach der Rückkehr als Professor an die Universität Hamburg halten sollen. Lucke war auch da, doch statt Volkswirtschaftslehre gab es lautstarke, anhaltende Proteste.

Lucke trat 2015 aus der von ihm gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) aus. Nachdem dieses Jahr seine Abgeordnetenzeit im EU-Parlament endete, kehrt er als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Universität Hamburg zurück. Doch statt "Makroökonomik II" gab es dort politischen Protest: "Nazis raus aus der Uni" skandierten Studierende - im Video.

Bernd Lucke von Polizei aus dem Hörsaal gebracht

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) machte zum Semesterstart gegen die Rückkehr Luckes in die Forsche und Lehre mobil. "Die kritische Studierendenschaft der Uni Hamburg wird nicht zulassen, dass der Mann, der eine Mitverantwortung für die heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen in Deutschland trägt, ohne weiteres in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückkehren kann", erklärte AStA bereits Ende September.

Doch was am Mittwoch im Hörsaal und vor der Universität an Protest auf den Professor der Volkswirtschaftslehre wartete, überstieg diese Ankündigung: Sprechchöre, Banner und Plakate. Im Hörsaal drehten die Demonstranten Lucke das Mikrofon ab, ein Student drängte ihn vom Rednerpult weg. Als absehbar wurde, dass die Proteste nicht abflauen und an eine Durchführung der Vorlesung nicht zu denken war, brachte die Polizei Lucke aus dem Hörsaal.

Bernd Lucke: „Ich habe es als beschämend empfunden“

16.10.2019, Hamburg: Bernd Lucke, Wirtschaftswissenschaftler und AfD-Mitbegründer, steht nach seiner verhinderten Antrittsvorlesung an der Universität Hamburg auf dem Campus vor Polizisten. Mehrere hundert Demonstranten haben an der Universität Hambu
AfD-Mitgründer Bernd Lucke nach dem Versuch seine Comeback-Vorlesung an der Uni Hamburg zu halten
© dpa, Markus Scholz, lop

Der Ex-AfD-Chef kritisierte im RTL-Interview, die Proteste seien kein Umgang, wie er an einer akademischen Institution gepflegt werden sollte. "Ich habe es als beschämend empfunden", so Lucke. Unterstützung erhält er, der für die Zeit seiner Arbeit im EU-Parlament beurlaubt war, von der Universität Hamburg. "Die Durchführung freier wissenschaftlicher Lehre gehört zu den grundgesetzlich garantierten Pflichten und Rechten jedes Hochschullehrers und jeder Hochschullehrerin", erklärte Universitätspräsident Dieter Lenzen. Universitäten müssten allerdings diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten.

Seit seinem Parteiaustritt hat Lucke sich von der AfD distanziert. Er beklagte den Rechtsruck der Partei unter seinen Nachfolgern Frauke Petry und Alexander Gauland. Während seiner Zeit bei der AfD bediente sich Lucke wiederholt nationalsozialistischer Wortwahl. Einerseits argumentierte Lucke, er habe sich gegen den Rechtsruck der AfD gestellt und die Partei verlassen, als er die Mehrheit für seinen Kurs 2015 verlor. Der AStA-Vorsitzende Karim Kuropka wirft Lucke vor, dass er statt auszutreten "in der AfD dafür kämpfen [sollte], dass diese Partei wieder von ihrer Rechtsradikalität abrückt."