Union und SPD fordern Ausweitung des Sexualstrafrechts - auch Grapschen soll bestraft werden

Das Grapschen könnte in Zukunft mit einer Geld- oder gar Freiheitsstrafe geahndet werden (Symbolfoto).
Das Grapschen könnte in Zukunft mit einer Geld- oder gar Freiheitsstrafe geahndet werden (Symbolfoto).
© picture-alliance / Frank May, Frank May

27. April 2016 - 11:19 Uhr

Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren möglich

Der großen Koalition geht die Reform des Sexualstrafrechts nicht weit genug. Die Parlamentarier fordern, dass zukünftig auch Grapscher strafrechtlich verfolgt werden können. Wenn ein Mann einer Frau an die Brüste greift, ihr zwischen die Beine fasst oder sie am Po berührt, muss er mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen. Wie hart das Strafmaß ausfällt, soll dem zuständigen Richter obliegen.

Union und die SPD sind sich in ihrem Vorhaben einig."Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass das sogenannte Grapschen von den Gerichten bisher nicht einheitlich als Straftat angesehen wird", so Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) im Gespräch mit der 'WAZ'. Grapschen solle in Zukunft einen eigenständigen Tatbestand darstellen. Bisher war es gar nicht im Strafgesetzbuch aufgeführt.

Bislang drohten zudringlichen Männern oder Frauen nur wegen Beleidigung oder sexueller Nötigung rechtliche Folgen.

Bundesjustizminister gibt grünes Licht

Heiko Maas von der SPD
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigt nach den Vorfällen in der Silvesternacht reformwillig.
© dpa, Britta Pedersen

Der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) soll die Ausweitung des Sexualstrafrechts begrüßen, wie die 'Zeit' berichtet. Mit dem Gesetzesentwurf zum Sexualstrafrecht setzt sich in der nächsten Woche der Bundestag auseinander. Das Ziel der Reform ist, härter gegen sexuelle Übergriffe vorzugehen. Der Tatbestand einer Vergewaltigung soll in Zukunft nicht mehr nur bei einer körperlichen Abwehr, sondern auch bei einer verbalen Verweigerung gegeben sein.

Zuvor galt Sex als einvernehmlich, wenn sich das Opfer nur mit Worten, aber nicht mit körperlicher Gewalt dem Täter widersetzte. In Zukunft soll eine mündliche Verweigerung reichen, um einen sexuellen Übergriff als Vergewaltigung einzuordnen. Im Zuge der Reformsitzung können die Union- und SPS-Fraktion auch darauf drängen, dass Grapschen als Tatbestand aufgenommen wird.

Stein des Anstoßes der Reform des Sexualstrafrechts waren die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln. Dort haben viele Männer in Gruppen Frauen umringt, sexuell belästigt und in einigen Fällen sogar vergewaltigt.