Union: Umgang mit Debatte um Fan-Proteste wird "sehr schwer"

Fans auf der Waldseite zeigen Banner mit dem Schriftzug "Hurensohn" und dem Abbild von Dietmar Hopp. Foto: Andreas Gora/dpa
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02. März 2020 - 5:30 Uhr

Der 1. FC Union Berlin sieht den deutschen Fußball in der Debatte um Fan-Proteste gegen den DFB und Schmähungen von Dietmar Hopp vor einer schwierigen Aufgabe. "Wir befinden uns erneut im Bereich einer weiteren symbolischen Auseinandersetzung, die sich löst von den ursprünglichen Kontexten. Es wird sehr schwer damit umzugehen sein in den nächsten Wochen", sagte Pressesprecher Christian Arbeit nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag. "Das haben wir im Bereich der Pyrotechnik seit vielen Jahren erlebt. Das ist eine ähnlich symbolische Ausdrucksform. Wir werden alle damit in den nächsten Wochen zu tun haben und müssen damit umgehen."

Gegen Ende der ersten Halbzeit hatten Anhänger der Köpenicker jeweils ein Plakat mit Hopp-Porträt im Fadenkreuz und einer Beleidigung des Mäzens von 1899 Hoffenheim gezeigt. Deshalb hatte Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams zeitweise in die Kabinen geschickt, die Partie stand vor dem Abbruch. Erstmals war das Spiel unterbrochen, nachdem die Union-Fans die Wiederaufnahme von Kollektivstrafen durch den Deutschen Fußball-Bund scharf kritisiert hatten.

"Es ist ein Thema, dass wir in eine Situation kommen, wo alles durcheinander gerät", sagte Arbeit. "Es ist am Ende ein Beispiel, wofür im Grunde eigentlich ein anderes Vorgehen vorgesehen ist. Es ist Ende dieser Woche alles erläutert worden, wie ist das Vorgehen im Fall sichtbarer Beleidigung identifizierbarer Einzelpersonen. Wie ist das Vorgehen, wenn es eine allgemeine Schmähkritik ist. Man sieht wie die Dinge verschwimmen auch durch die Häufung und die Zuspitzung."

In einer Stellungnahme hatte sich die Union-Ultra-Gruppierung "HammerHearts 2004" gerechtfertigt. Der Protest mit Hopp im Fadenkreuz sei "keine Morddrohung. Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit der Kurven."

Quelle: DPA