"Umweltkeim" in Uniklinik Köln

Schimmel im Brutkasten? Frühchen-Eltern machen Schocknachricht öffentlich

Ein Frühchen liegt in einem Inkubator. (Symbolbild)
© picture alliance / ZB, Britta Pedersen

24. Oktober 2019 - 10:44 Uhr

Von Denise Kylla

Es ist schwer genug, wenn ein Baby drei Monate zu früh zur Welt kommt. Jetzt kämpfen Eltern aus Leverkusen auch noch mit mangelnder Hygiene. Das wirft der Vater des Kindes der Uniklinik Köln vor. Die Klinik habe sein Mädchen in einen Inkubator gelegt, der von Schimmelpilz befallen sei, sagte Lorenz A. (Name von der Redaktion geändert) im Interview mit RTL.de. Die Uniklinik widerspricht dieser Darstellung.

Bisher keine auffälligen Werte

Seine Frau brachte Zwillinge - einen Jungen und ein Mädchen - in Leverkusen zur Welt. Doch dann sei bei dem Mädchen eine Perforation des Darms entdeckt worden. Das bedeutet: Eine Stelle im Darm ist undicht. "Deshalb mussten wir sie in die Uniklinik nach Köln bringen", so der Vater. Dort wurde das Baby behandelt - eine Operation sollte die Situation entspannen.

Doch statt Entspannung wurde die Situation noch brenzliger. "Gestern kam eine Schwester zu uns und informierte uns darüber, dass im Inkubator unserer Tochter ein Schimmelpilz gefunden worden sei", so Lorenz A. Der sei erst nach 48 Stunden nachweisbar. Das Problem: Genauso lange wird es jetzt auch dauern, den Keim bei dem Frühchen nachzuweisen - falls es denn infiziert sein sollte. "Frühgeborene bekommen einmal pro Tag Blut abgenommen - bisher waren die Werte nicht auffällig", so der besorgte Papa.

Das sagt die Uniklinik Köln zu den Vorwürfen

Auf Nachfrage von RTL meldete sich die Uniklinik Köln mit einem Statement: "Bei unseren routinemäßigen Kontrolluntersuchen der Inkubatoren wurde bei einem Inkubator ein Umweltkeim gefunden, der überall natürlich vorkommen kann und der nicht meldepflichtig ist. Des Weiteren wurde dieser nur an einer Stelle des Inkubators in der geringst nachweisbaren Konzentration gefunden. Der Inkubator wurde aus diesem Grund vorsorglich ausgetauscht."

Die Kontrolluntersuchungen, die die Klinik durchgeführt habe, seien nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern "Bestandteil des uniklinikeigenen Hygienemonitorings", damit die Frühchen besonders gut geschützt seien. Außerdem gebe es bei dem frühgeborenen Kind "keinerlei Hinweis auf eine Infektion".

Vater hofft auf Besserung

Lorenz A. und seine Frau hoffen auf Besserung. "Es geht uns nicht darum, jemanden anzuschwärzen, aber wir wünschen uns, dass die Hygiene besser wird", sagte er. Weil seine Tochter so früh zur Welt gekommen sei, habe sie noch andere gesundheitliche Probleme. Diese und organisatorisches Chaos verhinderten, dass sein Mädchen wieder zurück in die Klinik nach Leverkusen gebracht werden könnte. "Die Ärzte haben eigentlich gesagt, dass sie transportfähig ist."

Die junge Familie sei seit Wochen von morgens bis abends auf den Beinen, um sich um die Zwillinge zu kümmern. Der Spagat zwischen einem Kind in der Leverkusener Klinik und einem anderen in Köln verlange den jungen Eltern alles ab. Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation schnell aufklärt und die Kinder irgendwann gesund nach Hause können.