Schwere Vorwürfe an der Uniklinik in Essen

Oberarzt soll zwei schwerkranke Patienten mit Medikamenten getötet haben

Der Eingang der Uniklinik Essen . Foto: Roland Weihrauch/Archiv
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21. November 2020 - 8:43 Uhr

Essener Arzt in Untersuchungshaft: Spritzte er zwei Patienten tot?

Schlimmer Verdacht an der Uniklinik in Essen: Ein Oberarzt des Krankenhauses soll zwei schwerkranken Patienten tödliche Medikamente verabreicht und so ihr Leben beendet haben. Der 44-Jährige wurde festgenommen, die Staatsanwaltschaft wirft ihm zweifachen Totschlag vor. Er war erst seit Februar am Klinikum beschäftigt. Jetzt sitzt der Arzt in Untersuchungshaft.

Getötete Männer waren in "sehr kritischem Zustand"

Der Arzt soll zwei Männern (47 und 50 Jahre alt) "vorsätzlich und rechtswidrig" Medikamente verabreicht haben, die zu deren sofortigen Tod führten. Die beiden Männer starben am 13. und am 17. November. Laut Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Essen waren die beiden Männer Patienten auf der Station des Oberarztes und in einem sehr kritischen gesundheitlichen Zustand. Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen die beiden Männer am Coronavirus erkrankt gewesen sein.

Arzt wollte nach eigener Aussage das Leiden der Patienten beenden

Bislang habe der Arzt sich nur zu einem Fall geäußert, hieß es von der Polizei. Er habe das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen beenden wollen.

Von der Uniklinik hieß es in einem Statement, dass der Mediziner "in vermutlich zwei Fällen einem versterbenden Patienten in der letzten Sterbephase ein Mittel verabreicht hat, um den Tod unmittelbar herbeizuführen", hieß es in einer Mitteilung. Die Klinik habe die Staatsanwaltschaft unverzüglich über den Verdacht informiert. Der Mediziner sei sofort außer Dienst gesetzt worden.

Patientenschützer: Alle Sterbefälle prüfen

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz hat eine Aufarbeitung aller Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes der Essener Uniklinik gefordert, dem von der Polizei Totschlag vorgeworfen wird. "Da der Arzt auch in leitender Funktion war, müssen alle Sterbefälle der letzten Jahre aufgearbeitet werden, in denen der Mediziner Dienst hatte", sagte Eugen Brysch.