UNICEF schlägt Alarm: Viele minderjährige Flüchtlinge landen in Europa auf dem Straßenstrich

16. Januar 2017 - 14:47 Uhr

Skrupellose Geschäftsleute locken junge Mädchen nach Italien

Immer wieder treten junge Mädchen und Frauen aus Nigeria die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Europa an. Zuhause haben sie häufig keine Perspektive für die Zukunft. Darum suchen sie ihr Glück in Europa. Was sie dort nach der Ankunft erwartet, ist jedoch alles andere als ein glückliches Leben. Skrupellose Geschäftsleute schicken die Mädchen als Zwangsprostituierte auf die Straße.

"Ich wollte das nicht. Er hat mich geschlagen und eingesperrt"

Miracle (19) aus Nigeria
Miracle wurde mit falschen Versprechungen nach Italien gelockt und musste dort als Prostituierte arbeiten.

Miracle (deutsch: Wunder) hat mit ihren 19 Jahren schon viel erlebt. Seit sie aus Italien wieder nach Nigeria zurückgekehrt ist, nennt sie sich so. Und dass ihr die Flucht zurück in ihre Heimat gelang, grenzt wirklich an ein Wunder. Vor 14 Monaten bot eine Bekannte ihr einen Job als Au-pair in Italien an. Die Reise sollte nichts kosten. Miracle nahm das verlockende Angebot an, auch ihre Eltern waren einverstanden.

Gemeinsam mit der Bekannten machte sie sich auf den Weg. Über Niger, nach Libyen ging es bis nach Lampedusa. Die gefährliche Bootfahrt über das Mittelmeer dauerte acht Stunden. In Italien angekommen, wurde Miracle von einem Mann abgeholt, der wenig später Sex von ihr verlangte. Er zwang die junge Frau, auf den Straßenstrich zu gehen. "Ich wollte das nicht. Er hat mich geschlagen und dann zwei Tage lang in ein Zimmer eingesperrt - ohne Essen und Wasser", erzählt die 19-Jährige der RTL-Reporterin Nicole Macheraus-Denault. Sie soll so das Geld für ihre Reise nach Italien abarbeiten.

Die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen hat sich verdoppelt

Miracle ist bei Weitem kein Einzelfall. Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Italien kommen, hat sich 2016 verdoppelt. Das Kinderhilfswerk UNICEF, das diese Zahlen veröffentlichte, ist alarmiert. Insgesamt kamen 28.000 Minderjährige über das Mittelmehr. 91 Prozent von ihnen waren unbegleitet. Die Kinder und Jugendlichen wurden entweder unterwegs von ihren Eltern getrennt oder machten sich gleich allein auf den Weg nach Europa.

Die Reise ist für sie ganz besonders gefährlich, denn für Menschenhändler und Kriminelle sind sie leichte Beute. Viele junge Nigerianerinnen landen auf dem Strich in Italiens Großstädten Neapel, Rom, Mailand. Die Frauen werden als Sexsklavinnen an Männer verkauft, das Geld der Freier kassieren meist nigerianische Zuhälterinnen – sogenannte Madams.

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Wie kann man die Mädchen besser schützen?

Die nigerianische Hilfsorganisation 'Komitee zur Unterstützung der Frauen-Würde' versucht den Frauen, die in Italien zur Prostitution gezwungen werden, zu helfen. Nur wenige schaffen es, den Zuhälterinnen zu entkommen. Oft haben die Frauen keine Papiere. Auch Miracle hat es nur mithilfe eines Freiers geschafft, nach Nigeria zurückzukehren. Dort lebte sie erst vier Monate lang in einem Schutzhaus der Hilfsorganisation, bevor sie wieder zu ihren Eltern zog.

"Die Nigerianische Regierung muss etwas tun. Ich bin überzeugt, wenn es hier Arbeit gäbe, würde es unsere Mädchen, Frauen und Männer nicht in die Welt hinaus treiben", meint Schwester Bibiana Emenaha, die das Schutzhaus leitet. Auch UNICEF forderte, dass mehr für den Schutz von minderjährigen Flüchtlingen getan werden müsse, um sie vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch zu schützen.