Ungewöhnlicher Appell im Kampf gegen Ebola: Von der Leyen sucht freiwillige Helfer in der Bundeswehr

12. Oktober 2014 - 16:40 Uhr

Ministerin kann Einsatz nicht befehlen

Diesen Gegner fürchtet die Bundeswehr offenbar mehr als jeden Feind: Das Ebola-Virus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sucht daher jetzt mit einem ungewöhnlichen Appell in der Bundeswehr nach Freiwilligen für einen Einsatz gegen die Epidemie in Westafrika. "Hier braucht es alle Hände, die helfen können, die fachlich helfen können", sagte die Ministerin bei n-tv.

Ebola Westafrika
Ebola-Patienten werden von Ärzten und Pflegern vor der Behandlung desinfiziert.
© dpa, Ahmed Jallanzo

Die Helfer sollen eine spezielle Ausbildung für den Kriseneinsatz bekommen. Es müsse aber auch ausreichend vorgesorgt werden: Wer helfe und dabei selbst erkranke, müsse auch sicher wieder zur Behandlung nach Deutschland geflogen werden können. Von der Leyens Sprecher Jens Flosdorff sagte, dass es für einen Einsatz gegen eine Seuche wie Ebola keine festen Einheiten in der Bundeswehr gebe. "Das gehört nicht zum Aufgabenspektrum der Bundeswehr." Deswegen setze die Ministerin auf Freiwilligkeit.

Darüber hinaus baut die Bundeswehr gemeinsam mit Frankreich eine Luftbrücke in die Ebola-Gebiete auf – so soll ein mobiles Krankenhaus mit 300 Betten und medizinischem Personal nach Liberia gebracht werden. Transportmaschinen sollen täglich bis zu 100 Tonnen Hilfsgüter in das Krisengebiet bringen. Dazu soll ein Drehkreuz im senegalesischen Dakar aufgebaut werden.

Die dreitägige Ausgangssperre in Sierra Leone haben die Behörden als Erfolg im Kampf gegen Ebola gewertet. Offenbar hielten sich die meisten der rund sechs Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes an die Anordnung. Die Beteiligung der Bürger sei "überwältigend" gewesen, sagte der Chef der örtlichen Notfallagentur, Stephen Gaojia, laut dem britischen Sender BBC. "Wir haben zahlreiche Menschen ausfindig gemacht, die infiziert sind", erklärte Gaojia. Eine genaue Zahl gebe es aber zunächst nicht.

Seit Freitag waren fast 30.000 Gesundheitsarbeiter von Haus zu Haus gegangen, um die Bevölkerung über das Virus aufzuklären und mögliche Ebola-Kranke ausfindig zu machen. Zudem verteilten die Helfer rund 1,5 Millionen Stück Seife. Den Teams sei es gelungen, über 60 Ebola-Tote zu begraben, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde. Um die Krankheit einzudämmen, gilt es als äußerst wichtig, die Leichen schnell zu beerdigen.

Kritiker erklären die Maßnahme hingegen für nutzlos. Bereits im Vorfeld der Ausgangssperre hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Anordnung scharf kritisiert. Es bedürfe Helfer mit viel Erfahrung, um bei einem solchen Tür-zu-Tür-Screening Menschen mit Ebola-Symptomen auszumachen. Zudem gebe es nicht genug Ebola-Zentren, um eventuelle neue Patienten aufzunehmen. Ohne Platz zur Untersuchung und Behandlung von Verdachtsfällen sei das ganze Vorhaben sinnlos.

Von der Viruserkrankung sind neben Liberia auch Sierra Leone und Guinea besonders betroffen. Seit März sind fast 6.000 Fälle registriert worden. Etwa die Hälfte der Infizierten starb. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen. Inzwischen wollen immer mehr Länder die afrikanischen Staaten beim Kampf gegen Ebola unterstützen. So hatten die USA angekündigt, 3.000 Soldaten in die Region zu entsenden. Das Thema soll in dieser Woche auch in der UN-Vollversammlung in New York zur Sprache kommen.