Ungewöhnliche Stellenausschreibung in der Schweiz

Bistum Chur sucht einen Exorzisten

Statue im Mondlicht
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19. Februar 2020 - 15:04 Uhr

Exorzismus klingt nach Mittelalter oder Horrorfilm

"Ich suche eine neue berufliche Herausforderung." Dieser Satz steht in vielen Bewerbungsschreiben - auch, wenn es um DIESE Stelle geht? In Chur in der Schweiz wird jetzt ein Exorzist gesucht, Das ist kein Scherz, die Dienste von Exorzisten sind gefragt - nicht nur in unserem bergigen Nachbarland.

Bekanntester Exorzist der Schweiz in Chur gestorben

Blick auf den Churer Hof mit der Kirche St. Maria Himmelfahrt, links, und dem Bischoeflichen Schloss, rechts, aufgenommen am Donnerstag, 18. April 2019, in Chur. Der umstrittene Bischof Vitus Huonder wird am Sonntag 77 Jahre alt, womit seine Amtszeit
Der Ort Chur in der Schweiz.
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Das Bistum Chur verlor vor kurzem seinen bekanntesten Exorzisten: Bischofsvikar Christoph Casetti. Er selbst sagte im Schweizer Fernsehen, er sei im "Heilungs- und Befreiungsdienst" tätig; wenn der Bischof die Erlaubnis gebe, könne er den "großen Exorzismus" beten. Er starb am vergangenen Wochenende im Alter von 76 Jahren. Nun wird ein Nachfolger gesucht. 

Papst Franziskus befürwortet Exorzismus

Das Mädchen Regan (Linda Blair) liegt in dem Kinofilm "Der Exorzist - Director's Cut" regungslos auf ihrem Bett (Szenenfoto). Das 12-jährige Kind der Schauspielerin Chris MacNeil ist von einem unheimlichen Dämonen besessen, was sich zumeist in abnorm
Horrorfilm "Der Exorzist - Director's Cut"
© dpa Warner, A3322 dpa-Film Warner

Exorzismus, zu Deutsch "Teufelsaustreibung", das klingt nach Mittelalter oder Horrorfilm - heute gibt es das doch gar nicht mehr?! Wer das glaubt, ist auf dem Irrweg, denn der Glaube an den Teufel ist auch heute noch weit verbreitet. Auch Papst Franziskus bezeichnete 2017 den Einsatz von Exorzisten als "unverzichtbar".

Wie das Exorzismus-Ritual abläuft, sei in einem in Latein verfassten Handbuch festgelegt, so der "Tagesanzeiger." Die wichtigsten Bestandteile seien Kruzifixe und Weihwasser. 

In der Schweiz gebe es jährlich etwa 1.400 Anfragen nach Exorzismen, so die Zeitung "Tagesanzeiger". In Deutschland haben Exorzisten offenbar weniger Kultur, laut der Website katholisch.de haben nur sieben der 27 deutschen Diözesen einen. Ein US-Priester berichtet hingegen von 20 Anfragen - pro Woche.

"Exorzismus von Klingenberg“ machte international Schlagzeilen

Anneliese Michel (Foto: dpa)
Anneliese Michel, Opfer einer "Teufelsaustreibung", in einer undatierten Aufnahme. Die 23jährige Anneliese Michel starb am 7. Januar 1976, nachdem zwei römisch-katholische Priester in einer Exorzierung versucht hatten, der Studentin den Teufel auszutreiben.

Exorzismen sind mehr als umstritten. Die Skepsis könnte an Fällen wie dem der Studentin Anneliese Michel aus den 70er Jahren liegen. Ein Priester hielt ihre Epilepsie für Besessenheit. Die 23-Jährige aus dem fränkischen Klingenberg starb an extremer Unterernährung. Zuvor vollzogen zwei Priester an ihr monatelang dutzende Male den sogenannten "Großen Exorzismus". Niemand reagierte, als sie immer mehr abmagerte.

Die Geschichte der Anneliese Michel und ihre juristische Aufarbeitung machten jahrzehntelang Schlagzeilen im In- und Ausland und wurden mehrfach verfilmt.