Ungerechte Steuern und Abgaben: Wenn von der Gehaltserhöhung am Monatsende nichts übrig bleibt

Geringverdiener spüren Gehaltserhöhung kaum
Besonders Geringverdiener spüren von einer Gehaltserhöhung am Monatsende kaum etwas.
ag sv cul lre fux kde fgj, dpa, Andreas Gebert

Mehr Arbeit heißt nicht immer mehr Geld

Wer mehr arbeitet, hat am Monatsende auch mehr Geld zur Verfügung – könnte man meinen. Das stimmt leider nicht immer, wie eine Studie im Auftrag der 'Bertelsmann Stiftung' zeigt. Gerade für die Menschen, die es am nötigsten hätten, lohnt es sich oft nicht, mehr zu arbeiten. Viele Geringverdiener können Überstunden machen so viele sie wollen – in der Haushaltskasse landet vom zusätzlichen Verdienst schlussendlich nicht viel.

Geringverdiener sind klar im Nachteil

Woran liegt das? Das 'Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung', das die Studie durchgeführt hat, bemängelt, dass Geringverdiener durch Steuern und Abgaben stärker belastet werden, als Arbeitnehmer mit einem hohen Einkommen. Nur wer ohnehin schon viel verdient, sieht am Monatsende wirklich mehr Geld auf dem Konto.

Bei Geringverdienern hingegen verfliegt die Freude über eine Gehaltserhöhung oder ausgezahlte Überstunden spätestens dann, wenn die Gehaltsabrechnung kommt. Je nachdem kann es sein, dass am Ende des Monats fast der komplette Zusatzverdienst wieder abgezogen wird. Wenn der Lohn steigt, steigen nämlich auch die Sozialabgaben und die Steuern.

Im schlimmsten Fall bleibt am Ende sogar weniger Geld

Wer dazu noch Wohngeld- oder Arbeitslosengeld-II-berechtigt ist, schaut sogar komplett in die Röhre. Was er mehr verdient hat, wird ihm von den staatlichen Leistungen gekürzt, sodass am Monatsende genauso viel Geld bleibt, wie vorher – nur dass er dafür mehr arbeiten musste. Im schlimmsten Fall bleibt am Ende sogar weniger. Diese ungleiche Verteilung führt dazu, dass viele darauf verzichten, mehr zu arbeiten, obwohl sie vielleicht sogar könnten.

Um das Steuer- und Abgabensystem wieder gerechter zu gestalten, fordern die Autoren der Studie, dass der Staat Einkommenssteuer, Sozialversicherungen und Leistungen, wie Wohngeld besser aufeinander abstimmen müsse. "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater", erklärte der Vorstandsvorsitzende der 'Bertelsmann Stiftung', Aart De Geus.

Wenn Sie wissen möchten, wie sich eine Gehaltserhöhung auf Ihr Nettoeinkommen auswirken würde, hilft Ihnen der Brutto-Netto-Rechner weiter. Damit können Sie ganz einfach ein wenig herumprobieren und sehen, was vom höheren Bruttogehalt wirklich übrig bleibt!