Ungarns Regierungschef Viktor Orban fordert "mehr Respekt" von SPD-Chef Martin Schulz

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8. Januar 2018 - 11:37 Uhr

Viktor Orban stellt klar: "Lassen uns keine Flüchtlinge aufzwingen"

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat sich von SPD-Chef Martin Schulz "mehr Respekt" für sein Land erbeten. Zudem kündigte Orban an, dass sein Land auch in Zukunft keine Flüchtlinge aufnehmen werde.

Viktor Orban Richtung Martin Schulz: Parteispitze andere Nummer als EU-Job

"Wir glauben, dass eine hohe Zahl an Muslimen notwendigerweise zu Parallelgesellschaften führt", sagte er in einem Interview mit der 'Bild'-Zeitung. "So etwas möchten wir nicht. Und wir möchten uns nichts aufzwängen lassen." Weiter sagte der 54-Jährige: Deutschland habe die Migranten gewollt. "Und wir nicht."

Martin Schulz fordert Horst Seehofer auf: Viktor Orban Grenzen aufzeigen

Horst Seehofer, Ministerpraesident Bayern, CDU, Beginn der Sondierungen von CDU und SPD zur Regierungsbildung, Willy-Brandt-Haus, DEU, Berlin, 07.01.2018
Sollte Viktor Orban auf Wunsch von Martin Schulz einfangen: der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer.
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In Anspielung auf Schulz' früheres Amt als Präsident des Europäischen Parlaments sagte Orban: "Was gut und nett in Brüssel war - wo es keine offensichtlichen Konsequenzen gab - ist eine andere Geschichte, als in Deutschland Parteichef zu sein und mit anderen Ländern zu kommunizieren. Wir finden, wir verdienen mehr Respekt."

Schulz hatte den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer aufgefordert, dem rechtsnationalen ungarischen Regierungschef, der am Freitag Ehrengast der CSU bei der Winterklausur im oberbayerischen Kloster Seeon war, die Grenzen aufzuzeigen. Vor allem in der Flüchtlingspolitik verfolge Orban eine "gefährliche Logik", hatte Schulz kritisiert. "Ich erwarte, dass Herr Seehofer ihm bei diesem Thema und auch bei den Themen Presse- und Meinungsfreiheit ganz klare Grenzen aufzeigt."

Gibt Ungarn genauso viel wie es nimmt?

Orban wehrte sich gegen den Vorwurf, Ungarn nehme Geld von der EU, weigere sich aber, Flüchtlinge aufzunehmen. Der sogenannte Kohäsionsfonds, der der ungarischen Wirtschaft zugutekomme, sei kein Geschenk. "Er ist ein fairer Ausgleich, da wir unseren Markt dem freien Wettbewerb geöffnet haben. Das hat absolut nichts mit der Flüchtlingsfrage zu tun."