Ungarn-GP: Mercedes-Team schlägt sich selbst

"Es ist total Mist. Ekelhaft. Es ist so schade, oh Mann!", stammelte Nico Rosberg nach seinem völlig verkorksten Rennen auf dem Hungaroring und stellte ungläubig fest: "Ferrari war einfach schneller."

Reifenwechsel am Mercedes von Nico Rosberg
Beim dritten Stopp von Nico Rosberg lief alles Reibungslos in der Mercedes-Box
REUTERS, POOL

Was nur bedingt stimmt - denn Teamkollege Lewis Hamilton war bei freier Fahrt bis zu acht Zehntel schneller als der spätere Sieger Sebastian Vettel. Allerdings hatte Hamilton da schon sein Rennen weggeworfen - durch einen verkorksten Start und einen anschließenden Ausritt ins Kiesbett fiel der WM-Spitzenreiter bis auf Platz 10 zurück. Am Ende lag er als Sechster trotzdem vor Rosberg, der nur Achter wurde.

Der deutsche Mercedes-Mann kam während des gesamten Grand Prix nicht richtig auf Touren und gab damit seinem Team Rätsel auf. "Wir wissen immer noch nicht, was an Nicos Auto falsch war", gestand Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff. Rosbergs Silberpfeil untersteuerte stark, sodass er nicht in der Lage war, den Ferrari von Vettel und Kimi Räikkönen zu folgen, die sich nach dem Start an die Spitze geschoben hatten. "Ich habe gedacht, dass es einfach sein wird, ihnen zu folgen, aber das ging überhaupt nicht", musste Rosberg zugeben.

Allerdings hatte sich der Zweite des Qualifiyings erst durch seinen schlechten Start in die Situation des Jägers gebracht. Wie schon beim vorangegangenen Grand Prix in Silverstone kamen beide Mercedes nach dem Erlöschen der Startampel nicht optimal vom Fleck. "Es ist das zweite Wochenende hintereinander, wo wir am Start nicht richtig wegkommen und zu viel Wheelspin haben", haderte Wolff. "Da war richtig der Wurm drin."

Wie Mercedes Rosbergs Rennen zerstörte

Die zweite Einführungsrunde - nach einem Fehler von Williams-Pilot Felipe Massa beim ersten Versuch – habe die Kalibrierung der Kupplung "zerstört", hatte Wolff zumindest für Hamiltons Startproblem eine Erklärung. Der Wurm war aber auch später drin – etwa bei Rosbergs zweitem Boxenstopp. Statt Rosberg für den finalen Stint mit den schnelleren Soft-Reifen auf die Strecke zurückzuschicken, schraubten die Mechaniker dem Deutschen erneut die härteren Medium-Pneus ans Auto - Geschwindigkeitsnachteil: bis zu einer Sekunde pro Runde.

Eine Fehlentscheidung der Mercedes-Strategen war das nicht - eher Schlamperei: Die Boxencrew war schlicht auf einen spontanen Boxenstopp von Rosberg in der virtuellen Safety-Car-Phase - ausgelöst durch den Crash von Nico Hülkenberg – nicht vorbereitet. "Bis Nico vor der Garage stand, hatten wir genau 12 Sekunden Zeit, die Reifen bereitzustellen. Es war aber nur ein Satz der harten Garnitur da", so die Erklärung eines Mercedes-Stratege.

"Das hat mich doch sehr viel gekostet am Ende", ärgerte sich Rosberg - möglicherweise den möglichen Sieg, zumindest aber Platz 2. Denn der Versuch, auf den härteren Gummis den Angriff des weich bereiften Red Bull von Daniel Ricciardo abzuwehren, ging gründlich schief. Rosberg schlitzte sich einen Hinterreifen auf und fiel weit zurück. Noch hinter Hamilton, der beim Re-Start nach der Safety-Car-Phase schon wieder auf Platz 4 fuhr und wieder auf den Sieg hoffen durfte. Doch der Brite leistete sich einen weiteren Fehler und fuhr Ricciardo in Kurve 1 ins Auto. Die Folge: Ein Reparaturstopp und eine Durchfahrtsstrafe für die Kollision.

Am Funk entschuldigte sich Hamilton beim Team. "Ich hatte definitiv einen sehr schlechten Tag im Büro", gab er später zu. "Heute hat es mehr Schwierigkeiten in einem Rennen gegeben als in der gesamten Saison", stellte Motorsportchef Wolff ernüchtert fest schickte eine Warnung an seine Mannschaft hinterher: "Wir müssen uns auf jeden Fall Gedanken machen, denn der Ferrari war heute das schnellste Auto im Rennen. Wir müssen aufpassen, dass uns nicht noch mehr Fehler passieren und dass wir die Meisterschaft im Griff behalten."