Unfassbare Gewalt in Syrien: Kindern die Kehle durchgeschnitten

10. Februar 2016 - 14:15 Uhr

Rotem Kreuz wird Zugang nach Baba Amro weiter verwehrt

Die Gewalt in Syrien hat eine neue Dimension erreicht. Fünf Tage nach dem Einmarsch der Armee in die Stadt Homs zeigten regimetreue Medien Bilder von Männern, Frauen und Kindern, die mit Messern massakriert wurden. Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig forderte, in einem UN-Register Informationen über Verbrechen in Syrien zu sammeln. Ein militärisches Eingreifen lehnen aber fast alle Politiker ab.

Unfassbare Gewalt in Syrien
Geflüchtetes syrisches Mädchen im Libanon, Glück gehabt und rausgekommen.
© REUTERS, STRINGER

Die Zivilisten seien von den Deserteuren der sogenannten Freien Syrischen Armee getötet worden, meldete der Staatssender Al-Dunia. Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad erklärten dagegen, die Truppen des Regimes hätten den Zivilisten am Donnerstag bei ihrem Versuch, aus Baba Amro zu fliehen, die Kehlen durchgeschnitten. Das jüngste Opfer des Massakers sei ein einjähriges Mädchen namens Fatin.

Die syrischen Staatsmedien berichteten, nach der "Säuberung" von Baba Amro kehrten nun die ersten Bewohner in das Viertel in der einstigen Oppositionshochburg Homs zurück. Dem Internationalen Roten Kreuz wird der Zugang zu dem Viertel jedoch immer noch verwehrt. Heute soll UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in Syrien eintreffen, nachdem sie zuvor tagelang abgewiesen worden war. Diplomaten in New York waren aber skeptisch, ob sich Amos, die zu den höchsten UN-Repräsentanten gehört, frei bewegen kann, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Wenn nichts mehr bleibt als das nackte Leben

Tausende Syrer haben sich in den vergangenen Tagen über die Grenze in den Libanon gerettet. Viele mussten alles zurücklassen. Nur das nackte Leben ist ihnen geblieben.

"Es war so kalt und ich hatte große Angst", erzählt die neunjährige Nagham. Zusammen mit ihrer Familie ist die kleine Syrerin in den Libanon geflüchtet. "Wir wollen lieber zu Hause sein, mit unseren Freunden. Wir wollten nicht hierherkommen", sagt sie. Es sei eine harte Entscheidung gewesen, erzählt ihr Vater, Abu Firas. "Entweder du lässt alles zurück, was du besitzt und rettest deine Familie und Kinder, oder du bleibst und stirbst." Der Syrer ist mit seinen sechs Kindern geflüchtet. Zusammen mit etwa 150 anderen Familien hat er in dem Dorf Arsal im Ostlibanon Unterschlupf gefunden.

Sein Bauernhof in Al-Kusair in der Provinz Homs war nicht mehr sicher. Die Flucht in der Dunkelheit über die Grenze war beängstigend, erzählt der 47-Jährige. Die Kinder hätten die ganze Zeit geweint. Während der Flucht mussten sie über den verschneiten Boden kriechen, um nicht von Regierungstruppen entdeckt zu werden. Nun haben die Kinder Fieber.

Nach der Einnahme des Stadtviertels in der Rebellenhochburg Homs in der vergangenen Woche durch Regierungstruppen häufen sich Berichte von Gräueltaten. "Als die Regierungstruppen Baba Amro einnahmen, machten sie keinen Unterschied zwischen Rebellen und Zivilisten", sagt Abu Firas. "Sie töteten ohne Unterschied."

Seine Nachbarn und er beschlossen, in dieser Nacht zu fliehen. Im dichten Schneetreiben kämpften sie sich durch die Wälder in den Libanon durch. Al-Kusair ist nur zwanzig Minuten von der Grenze entfernt, doch die Gruppe brauchte mehr als zwei Stunden. Oft mussten sie sich vor Soldaten verstecken, erzählen die Flüchtlinge. Aber Abu Firas hatte Glück. Nach der abenteuerlichen Flucht über Bergstraßen und durch Schneestürme hat die Familie bei einem alten Freund in Arsal Unterschlupf gefunden.