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Unfall-Prävention für Jugendliche: Schocktherapie auf der Intensivstation

Schocktherapie für Jugendliche soll Unfälle verhindern
Mit einem einer Art Schocktherapie sollen Jugendliche zu vorsichtigen Autofahrern erzogen werden. © dpa, Michael Latz

Wie wird ein Schwerverletzter versorgt?

3.368 Menschen sind 2014 auf Deutschlands Straßen ums Leben gekommen, 389.000 wurden verletzt. Vor allem Jugendliche sind immer wieder in schwere Verkehrsunfälle verstrickt. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ist das Risiko, bei einem Autounfall zu sterben, für junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren doppelt so hoch wie für den Bevölkerungsdurchschnitt. Um die Zahl der jugendlichen Unfallopfer in Zukunft etwas zu reduzieren, setzt die DGU nun auf eine Art Schocktherapie.

Darum veranstaltet die Ärztevereinigung eine Aktionswoche, die sich bundesweit an Schulklassen richtet. 15- bis 18-jährige Jugendliche sind eingeladen, einen ganzen Tag in einer Unfallklinik verbringen, wo ihnen anschaulich vorgeführt wird, welche Auswirkungen Drogen und Alkohol am Steuer oder zu schnelles Fahren haben können. Die Jugendlichen bekommen vom Klinikpersonal gezeigt, wie ein Schwerverletzter nach einem Unfall versorgt wird.

"Das ist eine Lektion, die sie nicht so schnell vergessen"

Dabei durchlaufen sie ähnlich wie ein Patient alle Stationen – vom Rettungswagen über die Notaufnahme geht es zur Erstversorgung in den Schockraum, danach auf die Intensivstation und zur Physiotherapie. Die Schüler bekommen dabei nicht nur die Verletzten zu sehen, die akut behandelt werden, sondern haben auch Gelegenheit mit einem früheren Unfallopfer zu sprechen, erklären die Organisatoren.

Das Projekt hat den sprechenden Namen 'PARTY' (Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth). Es soll Jugendliche zur Sicherheit am Steuer erziehen, und zwar rechtzeitig, bevor sie überhaupt einen Führerschein haben. Denn das Statistische Bundesamt gibt zu hohes Tempo als häufigste Unfallursache bei jungen Autofahrern an. Weitere Risikofaktoren sind mangelnde Erfahrung am Steuer, Alkoholeinfluss oder Ablenkung durch Handybenutzung während des Fahrens. Jeder vierte Unfall von Fahranfängern passiert am Wochenende, meist im Dunkeln auf dem Weg von Partys nach Hause.

Genau um solche Fälle zu verhindern, wurde das Präventionsprogram ins Leben gerufen. Die Idee dazu stammt aus Kanada. DGU-Präsident Michael Nerlich ist überzeugt von dem Abschreckungstag auf der Intensivstation: "Das ist eine Lektion, die sie nicht so schnell vergessen." Deutschlandweit beteiligen sich insgesamt 13 Kliniken, zum Beispiel in Köln oder in Stuttgart. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaft unterstützen die Aktion.

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