Kurz davor soll er sich von Freundin getrennt haben

Sieben Deutsche tot: Unfallfahrer von Luttach kommt ins Gefängnis

06. Januar 2020 - 18:03 Uhr

Im Video: Unfallfahrer Stefan L. wird ins Gefängnis gebracht

Der Unfallfahrer, der in Südtirol sieben junge Deutsche getötet hat, ist in Bozen im Gefängnis angekommen, wie unser Video zeigt. Stefan L. sei bereits kurz zuvor aus dem Krankenhaus in Bruneck entlassen worden, erklärte ein Polizeisprecher. Polizei und Staatsanwaltschaft in Südtirol ermitteln weiter zu den Umständen der tödlichen Suff-Fahrt im Wintersportort Luttach vom Sonntag. Wie "Corriere della Sera" berichtete, soll Stefan L.s Beziehung mit seiner Freundin kurz zuvor in die Brüche gegangen sein. Das habe sein Anwalt, Alessandro Tonon, erzählt. Demnach sagte sein Mandant ihm: "Ich war auf dem Weg in die Disco 'Hexenkessel'. Meine Freundin und ich haben uns gerade getrennt."

Reisegruppe aus Deutschland war auf Rückweg zur Unterkunft in Luttach

Der 27-Jährige war in eine Gruppe junger Skitouristen gerast. Nach Polizeiangaben ergab ein Alkoholtest bei dem Sportwagenfahrer einen Wert von 1,9 Promille. Bei dem Unfall wurden zehn weitere Menschen verletzt. Vier der Toten stammen aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und der sechste in Niedersachsen. Am Montag erhöhte sich die Zahl der Toten auf sieben - eine junge Frau aus Deutschland starb in einem Krankenhaus in Innsbruck an den Folgen des Unfalls.

Unter den Verletzten sind zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Die Gruppe war zuvor im "Hexenkessel" feiern gewesen und hatte sich von einem Bus zurück nach Luttach bringen lassen.

Im Video: Ersthelferin kam kurz nach dem Unfall in Luttach an

Augenzeugen beschrieben die Situation am Unfallort als schockierend. Der Busfahrer, der die Reisegruppe aus einer Disco zurück nach Luttach gefahren hatte, versuchte nach eigenen Angaben noch, den Unfallfahrer per Lichthupe zu warnen. Alessia Gschnitzer, die kurz nach dem Unfall dort eintraf, schildert im Video ihre Eindrücke.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit: "Aufgrund der gesamten Unfalldynamik ist von einer erheblichen Übertretung der Geschwindigkeitsbegrenzung auszugehen. Es wird ein Gutachten zur genauen Feststellung der Geschwindigkeit in Erwägung gezogen." An der Unglücksstelle sind 50 Kilometer pro Stunde erlaubt. Die Polizei in Bozen machte am Montagvormittag keine neuen Angaben zum Zustand der Verletzten.

Stefan L. könnte laut italienischem Gesetz jetzt wegen eines "omicido stradale" angeklagt werden - zu Deutsch "Straßenmord". Im Falle einer Verurteilung drohen dem jungen Mann dann bis zu 12 Jahre Haft.

Bürgermeister war am Unfallort in Südtirol

Im Interview mit RTL sagte Helmut Klammer, Bürgermeister der Gemeinde Ahrntal: "Wir sind schockiert und tief bestürzt. (...) Das ist eine sehr betrübliche, dramatische Situation." Auch für ihn sei die Situation sehr schwierig, weil er in der Nacht auch vor Ort war. Die Rettungskräfte hätten ihn verständigt und er sei dann zur Unfallstelle geeilt.

Totraser in psychologischer Behandlung

Stefan L. raste in Südtirol betrunken in eine Gruppe junger Menschen.
Stefan L. heißt der mutmaßliche Verursacher des tödlichen Unfalls.

Der Unfallfahrer war zunächst in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden, hieß es. Er habe unter Schock gestanden und sei von Spezialisten betreut worden, wie ein Sprecher der Polizei in Bozen mitteilte. Der 27-Jährige ist offenbar selbstmordgefährdet. Als er hörte, wie viele Leute er totgefahren haben soll, soll er gesagt haben, dass er sich umbringen wolle, berichteten italienische Medien.