Unfälle, gesperrte Bahnstrecken und Stromausfälle nach Sturm

"Sturm und Schnee: Bahnverkehr in Süddeutschland beeinträchtigt" steht auf einer Anzeigetafel. Foto: Daniel Karmann/dpa
© deutsche presse agentur

28. Februar 2020 - 15:30 Uhr

Das Sturmtief "Bianca" hat in Bayern am Freitag für Chaos gesorgt. Umgestürzte Bäume blockierten Stromleitungen und Straßen. Glatteis führte zu zahlreichen Unfällen und liegengebliebenen Fahrzeugen. Auch der Bahnverkehr in Bayern stand teilweise still. Wann alle Störungen behoben sein sollten, war nach Angaben der Einsatzkräfte zunächst unklar.

Noch am Nachmittag waren die Strecken zwischen Tutzing und Kochel, Tutzing und Murnach sowie Murnau und Oberammergau gesperrt. Auch in Nordbayern standen die Züge zwischen Zirndorf und Cadolzburg zunächst still. Beim Meridian, der Bayerischen Oberlandbahn und der Bayerischen Regiobahn wurden die meisten Probleme bis zur Mittagszeit behoben. Die Strecke zwischen Holzkirchen und Bruckmühl blieb vorerst gesperrt, wie der private Betreiber mitteilte.

Auch der öffentliche Nahverkehr in den Städten war vom Sturm betroffen. Bei der S-Bahn München waren die Linie S6 zwischen Tutzing und Starnberg und die Linie S2 zwischen Erding und Markt Schwaben bis zum frühen Nachmittag gesperrt. Im Würzburger Busverkehr kam es morgens teilweise noch zu Einschränkungen.

Oberbayern hatte besonders unter dem Sturm zu leiden: In der Nacht auf Freitag rückten die Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 288 Mal aus, weil Äste oder Bäume die Fahrbahn blockierten. Ihre Kollegen vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord zählten rund 180 sturmbedingte Einsätze. In dem Gebiet der beiden Präsidien kam es infolge des Sturms zu mehr als 60 Unfällen, meistens ohne Verletzte.

In Krailing (Landkreis Starnberg) fiel in der Nacht ein großer Ast auf ein vorbeifahrendes Auto. Der 34-jährige Fahrer wurde lebensbedrohlich verletzt, sein Zustand war nach Angaben der Polizei "äußerst kritisch". Seine 36-jährige Beifahrerin wurde ebenfalls im Fahrzeug eingeklemmt und schwerst verletzt. Im Landkreis Eichstätt kam ein Mann mit seinem Auto von der glatten Straße ab und überschlug sich. Der 29-Jährige wurde schwer verletzt, sein 27-jähriger Beifahrer hatte leichte Verletzungen.

Im morgendlichen Berufsverkehr ignorierten Autofahrer eine gesperrte Kreisstraße im Landkreis Berchtesgadener Land. "Sie fuhren um die Schilder herum und wunderten sich, dass sie an den umgestürzten Bäumen nicht vorbeifahren konnten", teilte die Polizei mit. Ein 34-Jähriger übersah nicht nur die Straßensperre: Er fuhr mit hoher Geschwindigkeit direkt in die auf der Fahrbahn liegenden Bäume. Er verletzte sich leicht, an seinem Auto entstand Totalschaden.

Der Sturm zerstörte außerdem die Hülle des Industriedenkmals Radom in Raisting (Landkreis Weilheilm-Schongau). Über die Station konnten Zuschauer 1969 die erste Mondlandung im Fernsehen verfolgen. "Die Hülle ist wie ein Luftballon, der durch Überdruck gehalten wird", erklärte Rüdiger Sobotta von der zuständigen Kreisbrandinspektion. "Durch den Sturm ist in der Hülle nun ein Riss"

Im Landkreis München richteten Windböen starke Schäden in den Wäldern und Erholungsgebieten an. Durch entwurzelte Bäume und angebrochene Äste bestehe akute Lebensgefahr, warnte das Landratsamt. Die Aufräumarbeiten würden mehrere Tage dauern. Die Feuerwehr rückte dort bis in die Morgenstunden zu rund 130 Einsätzen aus.

Aber auch in Franken waren die Einsatzkräfte durch den Sturm im Dauereinsatz. Die Feuerwehr im Bereich Würzburg registrierte abends 106 Einsätze, weil Bäume oder liegengebliebene Autos die Straßen blockierten. Im Landkreis Main-Spessart standen mehrere Lastwagen quer oder rutschten in den Graben, ein Lkw drohte abzurutschen. Auf der Autobahn 3 bei Marktheidenfeld waren zahlreiche Lastwagen festgefahren und blockierten mehrere Stunden die Fahrbahn.

In der Oberpfalz rückten die Einsatzkräfte bis in die frühen Morgenstunden zu 43 Unfällen und 24 Einsätzen wegen liegengebliebener Fahrzeuge aus. In Blaibach (Landkreis Cham) riss ein Baum eine Stromleitung ab, das Transformatorhaus brannte daraufhin. Die rund 50 betroffenen Haushalte sollten ab dem Nachmittag wieder mit Strom versorgt werden.

Im gesamten Netzgebiet des Bayernwerks von Unterfranken bis Oberbayern kam es ebenfalls zu Stromausfällen. Rund 40.000 Haushalte waren betroffen, die meisten waren am frühen Morgen wieder am Netz. Auch in den Landkreisen Fürth, Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim und Nürnberger Land waren Haushalte zeitweise ohne Strom, wie der Betreiber N-ERGIE mitteilte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte weiter vor Glatteis; in der Nacht zum Samstag könne es vor allem im Osten und Norden Bayerns rutschig werden. Vom Bergland aus soll es zunehmend windig werden. Für Samstagabend kündigte der DWD in den Alpen oberhalb von 1500 Metern Höhe schwere Sturmböen und auf den höchsten Gipfeln Orkanböen bis 120 Kilometer pro Stunde an. Im Mittelgebirge seien Sturmböen bis 90 Kilometer pro Stunde möglich, im Nordwesten auch bis in die Niederungen Windböen bis 60 Kilometer pro Stunde.

Quelle: DPA