Unerträgliche seelische Qualen: Sextäter erhält das Recht zu sterben

Aktive Sterbehilfe: Seit 2002 in Belgien erlaubt
© picture alliance / dpa, Sami Belloumi

03. Januar 2015 - 19:18 Uhr

Keine Chance auf Heilung

Frank Van Den Bleeken hat mehrfach vergewaltigt und gemordet. Dafür sitzt der Belgier seit mehr als 30 Jahren im Gefängnis. Der 52-Jährige macht sich keine Illusionen über sein zukünftiges Leben, sei es im Gefängnis oder in Freiheit, denn er hält sich für unheilbar.

Deswegen hat er sich das Recht erstritten, seinem Leben ein Ende zu setzen, unter ärztlicher Aufsicht. Das ist in Belgien seit 2002 gesetzlich gestattet. Den Antrag stellt er bereits vor drei Jahren, er begründete ihn mit "unerträglicher seelischer Qual" aufgrund mangelnder Kontrolle über seine gewalttätigen sexuellen Triebe. Zunächst wollte sich die zuständige Kommission jedoch alle Optionen offen halten, ob nicht doch eine Heilung oder Linderung möglich ist.

Eine entsprechende Therapie hätte er in den Niederlanden, nicht aber in Belgien, erhalten können, doch wurde sein Antrag auf eine Verlegung dorthin von der belgischen Justiz abgelehnt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Belgien mehrfach dafür kritisiert, psychisch Kranke nicht angemessen zu therapieren.

Nach dem Scheitern der Verlegung ist nun im Sinne Van Den Bleekens entschieden worden. Er werde demnächst an ein Krankenhaus überstellt, das den assistierten Suizid durchführen wird. Wann dies sein wird, ist nicht bekannt. Van den Bleeken ist der erste Häftling, der in Belgien aktive Sterbehilfe erhält.

Sein Fall wird der Diskussion um das Gesetz in Belgien sicher kein Ende setzen, auch wenn er die drei Bedingungen, die die Justiz stellt, wahrscheinlich erfüllt: Er ist volljährig, handlungsfähig und bei Bewusstsein. Ebenso hat er den Wunsch zu sterben wiederholt formuliert. Und er befindet sich nach eigenen Angaben in einer medizinisch aussichtslosen Lage, er sieht keine Chance auf eine Linderung der seelischen Qualen, die sein unheilbares Verlangen verursacht.