Undurchsichtiges Hin und Her im Nahen Osten: Endlich eine echte Waffenruhe?

05. August 2014 - 8:30 Uhr

Feuerpause soll ab Freitag gelten

Kehrt am Freitag wirklich Ruhe ein? Laut einem israelischen Regierungsvertreter sollen sowohl Israel als als auch die Hamas einer umfassenden Waffenruhe aus humanitären Gründen zugestimmt haben. Diese soll ab Freitag gelten, nachdem die für heute geplante Feuerpause gescheitert ist. Militante Palästinenser hatten drei Mörsergranaten auf Israel abgefeuert, die im Grenzgebiet einschlugen. Verletzt wurde niemand.

Fünfstündige Feuerpause: Kurzes Aufatmen in Gaza
Verängstigte und weinende Kinder in Gaza.
© REUTERS, MOHAMMED SALEM

Schon am Dienstag hielt eine von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe nur wenige Stunden. Lediglich Israel hatte seinen Raketenbeschuss kurzzeitig eingestellt, nicht aber die Hamas.

Das israelische Kabinett muss über die geplante Waffenruhe jedoch noch billigen. Bei Gesprächen in Kairo hätten die israelischen Unterhändler zwar der Vereinbarung zugestimmt, so der Regierungsvertreter. Allerdings prüfe das Sicherheitskabinett unter Leitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Vereinbarung noch und habe noch nicht darüber abgestimmt.

Menschen müssen ihre Häuser verlassen

Israelische Medien berichteten, dass eine hochrangige israelische Regierungsdelegation von indirekten Verhandlungen mit der Hamas aus Kairo zurückgekehrt sei. Ihr gehörten der Sondergesandte von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Izchak Molcho, der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Joram Cohen, und der Chef des politischen Direktorats im Verteidigungsministerium, Amos Gilad, an.

Auf Hamas-Seite habe der Vize-Exilchef der Organisation, Mussa Abu Marsuk, verhandelt. Die Gespräche seien von Ägypten vermittelt worden. Eingebunden war auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in den letzten Tagen mehrmals mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zusammengetroffen war.

Israelische Medien berichteten, der bewaffnete Arm der Hamas habe einen Katalog von Forderungen für ein Ja zu einem dauerhaften Waffenstillstand vorgelegt. Unter den Forderungen der Hamas waren die permanente Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen, die Freilassung palästinensischer Gefangener, die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen und dann wieder festgenommen worden waren, sowie die Erlaubnis für Gaza-Bewohner, auf dem Tempelberg in Jerusalem zu beten.

Bislang ist nicht klar, in welchem Umfang Israel bereit ist, diesen Forderungen entgegenzukommen. Am frühen Morgen verhinderte die israelische Armee nach eigenen Angaben einen massiven Angriff der Militanten an der Grenze zum Gazastreifen. 13 schwer bewaffnete Palästinenser seien durch einen Tunnel etwa 250 Meter weit nach Israel vorgedrungen, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Die Luftwaffe habe den Tunnelausgang auf der israelischen Seite bombardiert und damit eine Attacke auf den nahe gelegenen Kibbuz Sufa vereitelt.

Nach Informationen des Ersten Israelischen Fernsehens wurden bei dem Militäreinsatz acht der Palästinenser getötet. Das israelische Militär machte keine Angaben zu möglicherweise getöteten Angreifern. Ein von der Armee veröffentlichtes Video zeigt, wie die Palästinenser zum Tunnelausgang zurücklaufen und dieser von einer Luft-Boden-Rakete in dem Augenblick getroffen wird, in dem der letzte Angreifer im Tunnel verschwunden ist.

Die Einwohner der Ortschaften Beit Lahia und Sadschaija wurden indes erneut aufgefordert, ihre Häuser zu räumen. Bereits gestern Morgen hatten die israelischen Streitkräfte mindestens eine Viertelmillion Menschen im nördlichen Gazastreifen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Bis zum Nachmittag hatten rund 21.000 Menschen in Schulen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) Schutz gesucht.

Die Zahl der Toten seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli ist nach palästinensischen Angaben inzwischen auf 220 gestiegen, darunter mindestens 48 Kinder. Mehr als 1.600 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite kam infolge des Raketenbeschusses ein Zivilist ums Leben.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Tod von vier spielenden palästinensischen Jungen, die an einem Strand in der Stadt Gaza von israelischen Granaten getroffen wurden, wie Augenzeugen berichteten. Die Kinder im Alter zwischen neun und elf Jahren wurden demnach beim Fußballspielen getroffen. Zehn weitere Jungen wurden schwer verletzt, wie palästinensische Rettungsdienste mitteilten. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte erklärte am Abend, der Vorfall werde untersucht.

Zugleich verdichten sich aber auch Anzeichen für eine baldige Bodenoffensive der israelischen Armee. Das Kabinett billigte die Einberufung von weiteren 8.000 Reservisten – 42.000 waren bereits zuvor aktiviert worden.