UN wollen Hunger und Armut beenden - ist das überhaupt realistisch?

08. August 2015 - 11:40 Uhr

Ein Kommentar von Michelle Janetschek

Die Vereinten Nationen präsentieren neue Entwicklungsziele, die sie bis 2030 umsetzen wollen. In 17 Kategorien sind die eingeteilt und sollen die Welt ein großes Stück verbessern. Armut und Hunger werden demnach beseitigt. Klingt zu schön, um wahr zu sein, aber was steckt dahinter und wie realistisch ist es, solche Ziele zu benennen?

Weinendes Kind klammert sich an Mutter
Die Vereinen Nationen wollen Armut und Hunger bis 2030 beseitigen - ein überaus ehrgeiziges Unterfangen.
© dpa, Helmut Fohringer

Bereits im Jahr 2000 trafen sich Politiker aus der ganzen Welt und verabschiedeten acht Millennium-Ziele. Innerhalb von 15 Jahren wollten sie die Zahl der Hungernden halbieren, jedem Kind eine Grundschulbildung garantieren und die Kindersterblichkeit senken. Auch der Kampf gegen Krankheiten und Umweltschutz waren Bestandteil dieser acht Ziele.

Nach 15 Jahren steht fest: Die Millennium-Ziele sind ein Teilerfolg. Manche Ziele wurden erreicht, andere nur knapp verfehlt. So hat sich die Zahl der Menschen, die unter extremer Armut leiden und die Kindersterblichkeit, den Vereinten Nationen zufolge mehr als halbiert. Bessere Prävention und medizinische Betreuung hätten den Tod von Millionen Menschen verhindert.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist besser als Stillstand

Die neuen Entwicklungsziele klingen gut. Der Haken: Ihre Umsetzung ist freiwillig und jeder Staat entscheidet selbst über die Maßnahmen zur Erreichung der Ziele. Zwar soll die Umsetzung regelmäßig überprüft werden, aber im Klartext bedeutet das: passen die Ziele in die Pläne des Landes werden sie umgesetzt – wenn nicht, dann wohl eher nicht.

Es ist gut, dass die Vereinten Nationen an der Verbesserung der Welt arbeiten möchten, denn ohne konkrete Ziele gibt es auch keine Veränderungen. Tatsächlich bleibt aber fraglich, ob sich alle der ambitionierten Ziele umsetzen lassen und wie ernst die jeweiligen Länder die Ansage tatsächlich nehmen. Die Vereinten Nationen gelten oft als zahnloser Tiger – vielleicht heißt es am Ende: gut gebrüllt, aber wenig getan. Trotzdem - auch ein Schritt in die richtige Richtung ist immer noch besser als Stillstand!