Alarm bei Temperaturentwicklung

UN-Report zu Klimazielen: „Die Länder haben im Kollektiv versagt“

© dpa, Julian Stratenschulte, jst htf wst

26. November 2019 - 15:06 Uhr

Temperaturen könnten noch schneller ansteigen

Zum zehnten Mal veröffentlicht die UN den "Emissions Gap Report": Darin beschreibt die Organisation, wie es um die Verwirklichung der Klimaziele des Pariser Abkommens steht. Der diesjährige Report alarmiert, denn: Ergreifen die Staaten weltweit nicht schnell Maßnahmen, steigen die Temperaturen deutlich höher, als es sich die Regierungen zum Ziel gesetzt haben. Auch die Bundesregierung veröffentlicht einen Bericht, dessen Ergebnisse die Umweltministerin Svenja Schulze "alarmierend" nennt.

„Die Länder haben im Kollektiv versagt“

Der Bericht straft die Unterzeichner des Pariser Abkommens ab. Die Autoren schreiben: "Die Länder haben im Kollektiv versagt, die steigenden Treibhausgas-Emissionen zu stoppen." Daraus ergibt sich die Folge, dass "tiefere und schnellere Einschnitte jetzt nötig sind." Wenn diese Maßnahmen nicht ergriffen werden, könnte die Temperatur bis Ende des Jahrhunderts um mehr als drei Grad steigen. Das Pariser Abkommen will den Anstieg auf 1,5 Grad in diesem Zeitraum begrenzen.

Während die Staaten mit dem Erreichen des Klimaziels überfordert scheinen, rückt diese in immer weitere Ferne. Denn es gebe kein Anzeichen dafür, dass die Treibhausgas-Emission in den kommenden Jahren den Höhepunkt erreichen würde. Jährlich würden neue Maxima erreicht werden. Ein Grund dafür sei, dass viele Staaten ein enormes Wirtschaftswachstum verzeichnen und deshalb mehr Energie verbrauchen.

Umweltministerin Schulze: Entwicklung „alarmierend“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD, aufgenommen waehrend einer Pressekonferenz zur Vorstellung von drei Gutachten fuer eine sozialvertraegliche Ausgestaltung einer CO2-Bepreisung in der Bundespressekonferenz (BPK). Berlin, 05.07.2019. Berlin
Das Bundesumweltministerium um Ministerin Svenja Schulze hat den Monitoringbericht vorgestellt. (Archivbild)
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Ein Monitoringbericht der Bundesregierung warnt ebenfalls vor den Klimaveränderungen. Laut Bericht habe sich in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren die Temperatur um 0,3 Grad erhöht. Bundesumweltministerin Schulze dazu: "Der Klimawandel verändert das Wetter hier in Deutschland immer spürbarer," und die Entwicklung sei "alarmierend."

Laut dem Bericht ist auch die Zahl heißer Tage mit Temperaturen über 30 Grad angestiegen. Waren es 1951 noch drei, seien es derzeit etwa zehn Tage pro Jahr. Der Deutsche Wetterdienst erwartet auf Grundlage zahlreicher Klimasimulationen einen weiteren Anstieg der Temperaturen bis Ende dieses Jahrhunderts. Es sei mit 3,1 bis 4,7 Grad mehr zu rechnen - ungefähr die Höhe, die auch der UN-Report angibt.

USA pro Kopf Platz 1

China stößt am meisten Treibhausgase aus, die USA am meisten pro Kopf
China stößt am meisten Treibhausgase aus, die USA am meisten pro Kopf
© unep

In einer Grafik veranschaulicht der Report, welche Staaten besonders viel Treibhausgase ausstoßen. China ist in absoluten Zahlen Spitzenreiter, die Vereinigten Staaten belegen beim Pro-Kopf-Ausstoß den ersten Rang.

Bericht schlägt EU Kohleausstieg vor

Der Bericht lobt neben all seiner Kritik das steigende Bewusstsein für das Klima. "Der politische Fokus auf das Klima ist in vielen Ländern gestiegen", schreiben die Autoren. Dazu zählen auch die Klima-Proteste.

Der Bericht schließt mit einer Reihe von Anstößen, wie einige der G20-Staaten, die ihr Klimaziele deutlich verfehlen, wieder auf Kurs kommen können. So schlägt der Bericht beispielsweise der EU vor, aus der Kohlekraft endgültig auszusteigen