UN-Generalsekretär António Guterres warnt vor 3. Weltkrieg wegen Nordkorea - wie lange geht das noch gut?

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6. September 2017 - 16:50 Uhr

Warnung vor Eskalation im Nordkorea-Konflikt: "Plötzlich stellten alle fest: Wir sind im Krieg"

Da kann Donald Trump auf Twitter noch so viel drohen: Kim Jong Un zeigt sich unbeeindruckt. Nach seinem weltweit verurteilten Atomtest hat Nordkorea für den Fall neuer Sanktionen mit Gegenmaßnahmen gedroht. Derweil warnt UN-Generalsekretär António Guterres davor, dass das die Drohgebärden unbeabsichtigte Konsequenzen haben könnten.

Nordkorea droht mit "Gegenoffensive"

Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel müsse unbedingt verhindert werden, sagte der Chef der Vereinten Nationen vor Journalisten in New York. Die Lösung müsse politisch sein. "Wenn man sich die Geschichte des Ersten Weltkrieges anschaut, passierte alles Schritt für Schritt. Die eine Partei tat dieses, die nächste reagierte mit jenem. Und plötzlich stellten alle fest: Wir sind im Krieg", zitiert die ARD AntónioGuterres.

Ein Szenario, das laut Professor Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg tatsächlich nicht ganz unrealistisch ist. "Heute besteht die Gefahr, dass eine Seite die Nerven verliert, ein Unfall passiert oder eigenmächtiges Handeln von Militär eine Kettenreaktion nach sich zieht. In der Tat ist der Krieg der Worte gefährlich", so Neuneck.

Doch von diplomatischen Beziehungen sind Pjöngjang und Washington momentan weit entfernt. Nordkoreas Außenministerium unterstellte den USA, eine feindselige Politik und dazu eine "hektische Sanktionskampagne" zu betreiben. "Wir werden auf die verabscheuungswürdigen Sanktionen und den Druck der USA mit unserer eigenen Art der Gegenoffensive antworten", wurde ein Sprecher von den Staatsmedien zitiert. Welche Art von Maßnahmen ergriffen werden sollen, blieb unklar. Auf eine Frage bezüglich neuer Sanktionen antwortete er jedoch, die USA sollten keinen Moment vergessen, dass Nordkorea eine "voll entwickelte Atommacht ist, die im Besitz von ICBM wie auch einer Atom- und Wasserstoffbombe" sei. Neben weiteren Raketen und Nukleartests könnten laut Neuneck provozierte Grenzzwischenfälle oder Beschuss südkoreanischer Ziele weitere Maßnahmen Nordkoreas sein.

"Nordkorea will mit aller Macht den USA beweisen, dass Sie nicht angegriffen werden können und über ein Abschreckungsinstrument verfügen", so Neuneck. "Sie wissen, dass ein Raketenangriff auf die USA oder Guam das Ende ihres Landes bedeuten würde. Die Frage ist, unter welchen Umständen sie ihr nukleares Säbelrasseln beenden wollen. Wir wissen das nicht, aber ohne Angebote und Gespräche findet man es nicht heraus."

Was kann Donald Trump noch tun?

UN-Generalsekretär António Guterres warnt vor einer Eskalation des Nordkorea-Konfliktes in den 3. Weltkrieg.
UN-Generalsekretär António Guterres hat momentan allen Grund zur Sorge.
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Was also kann US-Präsident Trump noch tun? Mit seinen Raketen- und Bombentests in der in der vergangenen Woche stellte Kim den US-Präsidenten erneut bloß, seine Kriegsrhetorik auf Twitter scheint wirkungslos zu verpuffen. Auf Twitter schrieb Donald Trump, die USA würden prüfen, den Handel mit sämtlichen Nationen zu stoppen, die mit Nordkorea Geschäfte machen. Auch andere Optionen würden geprüft. Eine davon ist offenbar, Druck auf China auszuüben. Wie die 'New York Times' berichtet, drängt Trumps Regierung China dazu, Nordkorea den Öl-Hahn abzudrehen.

Das Kim-Regime erhält nahezu sein gesamtes Öl aus dem Nachbarland, die Maßnahme würde Nordkorea massiv unter Druck setzen. Doch dass China darauf einsteigt, ist unwahrscheinlich. Peking befürchtet einen Kollaps Nordkoreas mit unkalkulierbaren Folgen. Zudem hat die Volksrepublik kein Interesse daran, Kim als Machthaber in Nordkorea zu verlieren und die USA womöglich direkt bis an die chinesische Grenze heranrücken zu lassen.​

Donald Trumps Drohungen gegen Nordkorea nützen nichts

Fraglich, ob Trump mit seiner Taktik ans Ziel kommt. Laut Neuneck verdeckt die markige Rhetorik des US-Präsidenten eher die Konzeptlosigkeit seiner Regierung. "Nordkorea lebt nun seit Langem in seiner isolierten Situation und kann offensichtlich damit umgehen. Trump denkt, er kann mit Worten und Drohungen beeindrucken. Das Gefährliche daran ist, dass dies nichts nützt."

Beide müssten zusammenkommen und politische und diplomatische Lösungen erarbeiten. "Nordkorea wünscht sich Sicherheitsgarantien von den USA und Verhandlungen für ein künftigen Friedensvertrag. Auch will man ökonomische Unterstützung und den Abzug amerikanischer Soldaten von der Halbinsel. Der Westen und die Nachbarstaaten haben es in den vergangenen Jahren verpasst ein attraktives Angebot für NK zu schnüren", sagt Neuneck.

Die Lage bleibt also angespannt. Das Risiko eines Nuklear-Konflikts mit Nordkorea ist laut UN-Chef AntónioGuterres derzeit die "gefährlichste Krise" der Welt.