UN-Chef Ban ruft Nordkorea zu Kurswechsel auf: "Atomwaffen sind kein Spielzeug"

10. Februar 2016 - 22:06 Uhr

RTL-Reporter Emmerich: "Die Situation wird jeden Tag gefährlicher"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Nordkorea im Konflikt mit den USA und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. "Atomwaffen sind kein Spielzeug", betonte der Südkoreaner auf einer Pressekonferenz in Madrid. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel außer Kontrolle gerate.

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Ernsthafte Drohungen oder nur Erpressungsversuche? Nordkorea steigert sich in immer heftigere Kriegsdrohungen hinein.
© REUTERS, KCNA

"Man hat die Dinge zu weit getrieben", sagte Ban nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. "Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte." Nun sollten alle Seiten zur Entspannung der Lage beitragen.

Das kommunistische Regime droht den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen. Im Konflikt mit Südkorea weicht die Führung in Pjöngjang keinen Millimeter zurück. Die Lage auf der Halbinsel bleibt äußerst angespannt.

Dennoch versucht sich Südkorea in Gelassenheit, berichtet RTL-Reporter Dirk Emmerich aus Seoul: "Das Land hat in den 60 Jahren gelernt mit solchen Situationen zu leben. Die Regierung nimmt die aktuelle Entwicklung weiter ernst", so Emmerich. "Die Situation wird jeden Tag gefährlicher, ein unbedachter Schuss über die Grenze – und es könnte eine Situation entstehen, in der die USA oder Südkorea eingreifen müssen. Dann könnte der Konflikt schnell in einen folgenreichen Krieg übergehen. Das ist die eigentliche Gefahr."

USA schweigen zu Raketenverlegung in Nordkorea

Nordkorea verlegte nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums eine Mittelstreckenrakete an die Ostküste. Der Grund sei unklar. Möglicherweise stehe ein weiterer Raketentest bevor. Oder aber die Rakete solle während der Feierlichkeiten zum 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April abgefeuert werden.

Die USA fahren indes offenbar einen neuen Kurs und wollen erst einmal auf Nordkoreas Provokationen nicht mehr öffentlich reagieren. "Ich werde keine Angelegenheiten des Geheimdienstes kommentieren", sagte Regierungssprecher Jay Carney. Er fügte hinzu, die USA seien gemeinsam mit anderen Ländern dabei, auf das Verhalten Nordkoreas Einfluss zu nehmen. Dabei nannte Carney ausdrücklich Russland und China. Der TV-Sender CNN sprach von möglicherweise zwei verlegten Raketen.

Mit der an die Ostküste transportierten nordkoreanischen Rakete sei ein Beschuss der USA ausgeschlossen, sagte indes Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan Jin nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap. Der Minister widersprach bei einer Sitzung des Verteidigungsausschusses im Parlament Berichten, wonach es sich um eine Rakete vom Typ KN-08 mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern handele.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als äußerst gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.